Michaelis hängte das Bild auf und rief Fredersdorf, den ehemaligen Kammerdiener und jetzigen Hoftrésorier, der auch so schön das Hautbois und die Flöte traktieren konnte und daher schon seit der Kronprinzenzeit in Ruppin das besondere Vertrauen Friedrichs genoß.
»Dem Meister Pesne sollst du den doppelten Preis für das Bild zahlen!« befahl ihm Friedrich, »und ihm den Gruß von uns bestellen, seine Malerei sei exquisiter als das Modell — seine Kunst charmiere uns weit mehr als die Mamsell! Und wir wollen bald Neues bestellen! — Apropos! Jene neue Tänzerin, Fredersdorf, die uns der brave Chambrier aufgehalst hat, sie häsitiert noch mit dem Dienstantritt! Sie will nicht! — Was sagst du dazu?«
»Ich gestatte mir, Eure Majestät in aller Untertänigkeit darauf aufmerksam zu machen, daß die Oper uns auch ohnehin teuer zu stehen kommt! In den zwei Jahren seit der Eröffnung kostet sie der Privatschatulle bereits achthunderttausend Taler!«
»Eine artige Summe!« sagte Friedrich nachdenklich. Und Fredersdorf hielt gleich den Augenblick für günstig, um mit Vorschlägen zu kommen.
»Wenn Eure Majestät zu befehlen geruhen möchten, dem Publikum den Eintritt nur gegen Entgelt zu gewähren —?«
»Impossible! Der Eintritt ist frei zu geben! Wir sind es unserer Reputation schuldig! Wenn jedermann das Recht hätte, für Geld hereinzukommen, dann wären wir ja nicht mehr in der Lage, nur die Würdigsten einzuladen!«
»Ein Glück, daß jene Tänzerin nicht kommt; denn«, seufzte Fredersdorf, »die Damens kosten das meiste Geld! Und Tänzerinnen hätten wir genug!«
»Die Mamsell wird tanzen! — Wegen der paar Taler mehr brauchst du dich nicht zu echauffieren! Siehst ansonsten schlecht genug aus! Was macht deine Leber?«
»Danke alleruntertänigst für gnädige Nachfrage! Es steht nicht zum Besten!« seufzte Fredersdorf, dessen Teint schon eine Färbung ins Gelbliche hatte.
»Sollst die Doktors zum Teufel jagen! Die sind keinen Schuß Pulvers wert! Mach endlich ein Ende mit deinem närrischen Quacksalbern, sonst krepierste meiner Seele aus purem Übermut!« warf Friedrich kurz hin, pfiff seinen Hunden und trat, von ihnen gefolgt, in den Marmorsaal, wo die Generale und Kommandanten harrten, um ihn in den Lustgarten zur Parade und Abnahme der Rekruten zu begleiten.