Er griff noch einmal zur Feder.
»Machen wir Geschichte, so sollen die Federfuchser sie uns nicht verderben! Wir haben selbst alle Fäden in der Hand! Können sie also selbst am besten entwirren!«
Er schrieb den Titel: »Histoire de mon temps«, ließ dann aber die Feder wieder sinken.
Noch war's zu früh! Die Tat war getan! Aber noch wob der Neid der andern sein Fangnetz immer dichter um ihn her! Noch stand er Gewehr bei Fuß, um seine Eroberung zu schützen! Sicherlich würde er noch um sie zu kämpfen haben!
»Eh bien!« sagte er, »zweimal erobern! Dreimal, wenn's sein muß! Aber nur einmal beschreiben!«
Er warf das Blatt beiseite, schlug auf die Tischglocke und befahl dem Lakaien, den Privatsekretär zu rufen.
Dieser trat ein, nahm an dem anderen Schreibtisch Platz, spitzte seinen Gänsekiel und legte ein Blatt Papier zurecht.
Der König ging auf und ab, blieb dann und wann stehen und diktierte einen Abschiedsbrief an den jungen Herzog Karl Eugen von Württemberg, der die letzten Jahre bei ihm gelebt hatte und jetzt, sechzehn Jahre alt, für mündig erklärt wurde und in sein Land zurückkehrte.
»Denken Sie nicht, das Land Württemberg sei für Sie geschaffen, sondern glauben Sie, daß die Vorsehung Sie hat geboren werden lassen, um das Volk darin glücklich zu machen. Ziehen Sie immer den Wohlstand desselben Ihren Vergnügungen vor. Wenn Sie schon in Ihrem zarten Alter Ihre Wünsche dem Wohl Ihrer Untertanen aufzuopfern wissen, so werden Sie nicht nur die Freude Ihres Landes, sondern auch die Bewunderung der Welt sein —«
So weit kam er im Diktat, da klopfte es an der Tür, und der Kurier trat ein, machte Honneur und überreichte dem König auf dem Hut einen Brief.