»Von Seiner Exzellenz dem Staatsminister von Podewils!«

Friedrich nahm den Brief, las ihn rasch durch, hieß den Kurier gehen und wandte sich dann an den Privatsekretär.

»Du sollst an unseren Gesandten in Wien, den Grafen Dohna, privatim schreiben, er soll dem Gesandten Venedigs sofort in unserem Auftrage mitteilen, wir hätten den Gesandten der Republik am Hofe von England, der sich auf der Durchreise in unseren Staaten befindet, aufheben und festnehmen lassen mitsamt seinem Gepäck! Er möge es dem Senat von Venedig mitteilen! Weiter ist nichts nötig! Der Kurier geht noch heute ab!«

»Zu Befehl!«

»Der Senat wird sich beeilen, unser Wohlgefallen wiederzugewinnen«, sagte Friedrich halb für sich selbst und blieb dann stehen.

»Weiter den Brief an den Herzog Karl Eugen!«

Der Sekretär legte das angefangene Blatt wieder zurecht und tauchte seine Feder ein. Friedrich diktierte weiter.

»Sie sind das Oberhaupt der bürgerlichen Religion in Ihrem Lande, die in Rechtschaffenheit und allen sittlichen Tugenden besteht! Es ist Ihre Pflicht, die Ausübung derselben, besonders der Menschlichkeit, zu fördern, welche die Haupttugend jedes denkenden Geschöpfes ist. Die geistliche Religion überlassen Sie dem höchsten Wesen! In diesem Stück sind wir alle blind und irren auf verschiedenen Wegen. Wer unter uns wäre so kühn, daß er den rechten Weg bestimmen wollte! Hüten Sie sich also vor dem Fanatismus in der Religion, der Verfolgungen bewirkt!«

Dann noch die üblichen Höflichkeitsphrasen — die Unterschrift im Stehen hingekratzt, und der Sekretär wurde entlassen.