Die Kabinettssekretäre traten ein mit den fertigen Antworten auf die am Morgen eingegangenen Briefe und legten sie dem König zur Unterschrift vor. Und dann war die Arbeit des Tages beendigt.

Michaelis meldete, daß alles zum Konzert bereit sei, und half dem König, sich zurechtzumachen. Friedrich nahm seine Flöte, suchte die Noten zusammen und ging durch das Schreibzimmer in den Musiksaal hinaus, wo eine kleine, aber auserlesene Gesellschaft wartete, vom Schein der unzähligen Kerzen des Kronleuchters überflutet.

Er verteilte die Stimmen unter die Musiker, tauschte ein paar scherzhafte Worte mit Meister Graun aus, der am Flügel saß, ging an sein Pult und gab das Zeichen zum Beginn.

Alles lauschte andächtig — die alten Generale ganz gehorsamst, als gälte es eine Ordre de bataille zu empfangen. Pöllnitz litt unsägliche Qualen.

Nach Beendigung des Konzertes ging Friedrich hin und klopfte ihm mit der Flöte auf die Schulter.

»Nun, Pöllnitz, habe ich auch einen Ohrenschmaus für Ihn! Seinen Freund Capello, den Er so gern in Berlin sehen wollte, habe ich aufheben und in festen Gewahrsam bringen lassen! Das war eine gute Idee von Ihm!«

»Von mir?« rief Pöllnitz entsetzt, »Majestät verzeihen, aber —«

»Ich weiß«, unterbrach ihn Friedrich, »Er hat mich nicht direkt darum gebeten. Vorsichtig wie immer, hat Er sich mit Andeutungen begnügt! — Ich glaube sogar, Er hat weiter nichts als seine Durchreise erwähnt! Das genügt aber, damit ich weiß, was ich tun soll! Er hat mich also gut bedient! Denn jetzt werden wir bald das Vergnügen haben, die Pirouetten der schönen Barberina hier zu bewundern — dank Seiner Findigkeit, Pöllnitz!«

»Ich versichere aber —«

»Gebe Er sich keine Mühe! Ich glaube Ihm doch keine Seiner Versicherungen! Er hat aber Pech, daß Er nicht dabeisein kann! Als Connaisseur und Verehrer Terpsichores würde Er sicher auf Seine Kosten kommen! Nun — Er hat ja Seine reiche Witwe! Wer weiß, was für Sprünge die Ihm macht!«