Dort wurde sie von einem alten Hausmeister Dohnas, namens Mayer, in Empfang genommen, der dem venezianischen Offizier den »Habenden Schein« über den richtigen Empfang instruktionsgemäß »extradierte« und die Tänzerin, ohne sie zu sehr zu fatigieren und unter richtiger Berechnung und »tunlichstem Menagement« des mitgegebenen Geldes weitertransportierte.
Anzunehmen ist, daß es sich der gute Mayer instruktionsgemäß auch angelegen sein ließ, ihr unterwegs »auf alle Weise zu flattieren« und ihr klarzumachen, wie sehr sie sich eigentlich freuen müßte, in die schöne Stadt Berlin, an einen großen Hof und in die Dienste eines gnädigen Königs zu kommen!
Anzunehmen ist aber auch, daß Barberina die große Gnade, als eine Kriegsgefangene wochenlang durchs Land geschleppt zu werden, nicht besonders hoch einschätzte, sowie, daß sie unaussprechliche Qualen ob der jähen Unterbrechung ihres Liebesglücks litt.
Jedenfalls machte ihr Geliebter unterwegs einen vergeblichen Versuch, sie zu befreien. Und Mayer bekam somit Anlaß, von seiner Instruktion Gebrauch zu machen, auf Grund einer ihm von der Königin Maria Theresia ausgestellten Vollmacht»benötigten Falls von den K. Hungarischen und Böheimbschen Gouverneurs oder Magistraten der Städte und Dörfer um eine kleine Eskorte von Ort zu Ort zu ersuchen«.
Graf Dohna konnte also seinem Souverän berichten, daß die so heißbegehrte Schöne unterwegs sei und im »besten Zustande« bald ankommen würde. Und Friedrich hatte die Befriedigung, einmal seine »überflüssige« Diplomatie für ihre »Briefträgerdienste« loben zu können.
Wochenlang dauerte die Reise. Mayer hatte, um den Nachstellungen des »völlig rabiaten« Galans zu entgehen, die Reiseroute geändert und hatte seine liebe Not, mit seiner Tänzerin durchzukommen. Denn, wie er sich zu berichten veranlaßt sah, war sie »etliche Tage vor Liebe und Chagrin« krank. Aber es ging. Und Anfang Mai langte er mit der teuren Last in Berlin an.
Einige Tage später wurde Friedrich gemeldet, daß der Gesandte Englands, Lord Hyndford, um Audienz bitten lasse.
Er empfing ihn sofort.
Der Vertreter Albions fand den König in seinem Schreibzimmer vor dem Modell eines aufgetakelten Kriegsschiffes stehen.
»Sehen Sie hier, Mylord! Wie gefällt es Ihnen?«