Sie blähte sich wie ein Puter — sie kam sich zum mindesten so vor wie eine eroberte Provinz jenes Königreiches, das ihre Tochter wohl bald darstellen würde!

Berlin gefiel ihr ausnehmend gut. Es war kein solcher von allem möglichen Geschmeiß kribbelnder Ameisenhaufen wie London — nicht so atemberaubend wie das berauschende Paris, sondern solid, neu und proper gebaut, mit geraden Straßen und nicht zuviel Menschen! Gerade der richtige Rahmen für ihr gesetztes, dem ruhigen Genuß zuneigendes Matronentum.

Sie saß vor dem Spiegel in einem Zimmer des Gasthauses, wo sie abgestiegen waren, und war bemüht, ihr Exterieur mit dem neuen Rahmen einigermaßen in Einklang zu bringen.

Leicht war das nicht. Die scharf gebogene Nase, die stechenden schwarzen Augen unter buschigen Brauen, die etwas aufgeschwemmten Formen muteten gar zu orientalisch an! Aber die Damen hier waren auch wohlbeleibt, und gepuderte Frisuren trugen sie auch! Und wennschon das landesübliche Blau der Augen nicht herzustellen war — das Schwarze würde um so mehr Effekt machen!

Man würde sich schon einleben!

Freilich — ihre Tochter dachte anders! Sie war sogleich am ersten Tage zum Intendanten der Oper, Baron Swerts, gegangen, um sich vorzustellen, sich über die ihr zugefügte Unbill zu beklagen und um eine Audienz beim König zu bitten.

Dem König wollte sie dann den zerrissenen Vertrag vor die Füße werfen und erklären, daß sie ihrem »Gemahl« Lord Stuart, der gleichfalls hier eingetroffen war, bis ans Ende der Welt zu folgen gedenke. Berlin wäre noch lange nicht das Allerletzte! Und sie würde hier nicht tanzen! — Sie ließe sich überhaupt nicht zwingen!

Mit den Worten war sie gegangen! — Die Worte würde sie wenigstens nicht wiederfinden! Das beruhigte die Mama ein bißchen! Man ist zu Hause, den Angehörigen gegenüber, stets mutiger als angesichts des Feindes! — Ihre Tochter hatte auch um nichts auf der Welt Venedig verlassen wollen! Trotzdem war sie jetzt hier!

Es würde auch so weitergehen! Der König würde schon Mittel und Wege finden, seine Eroberung zu befestigen! — Wenn er Babara erst sähe! — — Mama brachte ihm in dieser Hinsicht großes Vertrauen entgegen! Die unwiderstehliche Gewalt der Reize Babaras und ihre Lebenslust waren ihr da unschätzbare Verbündete! Lord Stuart war allerdings da und im Wege! Aber Beständigkeit in Liebessachen war nie die Sache Babaras gewesen. Sie würde bald auch ihn, den so heiß Begehrten, satt haben!