Mama blickte prüfend ihr Spiegelbild an. Die Runzeln des Gesichts waren schon unter der geschickt aufgelegten Schminke verschwunden! Ein paar Mouchen erhöhten die Zartheit des gut gemalten Teints! Man könnte vielleicht noch ein wenig Rot riskieren!

Sie setzte ihre Malerei fort und lächelte wohlgefällig beim Gedanken an die vielen kräftigen, jungen Kavaliere, die ihr hier in Berlin aufgefallen waren und deren frisches, frohes und unverhüllt zur Schau getragenes Draufgängertum ihrem alternden Herzen wohltat!

Da wurde ihr Lord Stuart gemeldet, der auch gleich hereintrat und etwas enttäuscht war, Barberina nicht anzutreffen.

»Sie wird bald da sein, Mylord — und, so Gott will, auch da bleiben!« beschied ihn die»Mama«und deutete auf einen Sessel.

Stuart nahm Platz und bemerkte so nebenbei, daß wegen des »Dableibens« zwischen ihm und Babara ganz andere Vereinbarungen getroffen wären.

»Das war auch in Venedig der Fall«, antwortete die Alte kalt. »Und trotzdem befinden wir uns heute hier! Unser Kommen hätte sich allerdings angenehmer gestalten können, wären Sie nicht gewesen!«

Stuart machte eine ungeduldige Miene. Aber »Mama« ließ ihn nicht zu Worte kommen.

»Wir beklagen uns durchaus nicht deswegen«, sagte sie schnell. »Die diplomatische Aktion — die Gefangennahme — der Transport unter militärischer Bedeckung — das hat ohne Zweifel in ganz Europa gewaltiges Aufsehen geweckt! Wir sind dadurch noch berühmter geworden, als wir es schon waren. Man wird sich sagen, daß wegen der ersten besten nicht ein derartiger Apparat in Bewegung gesetzt zu werden pflegt!«

»Dann wären Sie mir eigentlich zu Dank verpflichtet!«

»Nun, es hätte ja anders kommen können! Man hätte sich hier kurzerhand mit Babaras Eigensinn abfinden und auf ihre Dienste verzichten können, wenn der König, zum Glück, nicht so eigensinnig gewesen wäre, auf seinem Recht zu bestehen! Das war nicht Ihr Verdienst, Mylord! Sie hätten uns kalten Blutes die schöne Karriere verderben können, die sich uns hier bietet!«