Sie fuhr auf. Das Gewissen schlug ihr. Sie ging hin und gab ihm einen Kuß.

»Kümmere dich nicht darum, was sie auch sagt! Die Mama ist ehrgeizig! Sie ist ja auch stolz auf mich! Laß ihr das! Denk nur an mich! Ich liebe dich ja!«

Aber die Verstimmung wich nicht. Man empfand es allseitig wie eine Erlösung, als ein Bote ihr einen Brief des Intendanten brachte, in dem ihr mitgeteilt wurde, daß sie am folgenden Tage, am 13. Mai, die Ehre haben würde, zum ersten Male in der Oper vor dem Könige zu tanzen.

Das gab ihr alle Hände voll zu tun, um mit den Vorbereitungen fertig zu werden.

Stuart wurde fortgeschickt und für den nächsten Tag nach der Vorstellung zum Souper bestellt.

Er ging nach seinem Quartier, um zu sehen, ob die Antwort auf sein Audienzgesuch eingetroffen sei! Und fand da — einen Polizeibeamten vor, der den Auftrag hatte, ihn zu sofortiger Abreise zu veranlassen und ihn im Falle der Widersetzlichkeit festzunehmen und mit Gewalt über die Grenze zu schaffen!

Der Staatsminister Podewils hatte strenge Ordres gegeben. Er hatte genug Scherereien und Ungemach wegen der Liebelei dieses jungen Dandys gehabt und Zeit und Mühe verloren, die seines Erachtens einer besseren Sache wert waren! Jetzt machte er Schluß!

Stuart mußte gehorchen, so sehr er sich auch sträubte! Es wurde ihm nicht gestattet, erst von der Geliebten Abschied zu nehmen! Keine Zeile durfte er ihr schicken — keine mündliche Botschaft hinterlassen! Seine Bitte, erst seinen Vetter, den Lord Hyndford, besuchen zu dürfen, wurde ihm auch abgeschlagen. Wie er ging und stand, mußte er in die bereit gehaltene Postkutsche steigen, und der freundliche Polizeibeamte hatte noch die Güte, ihm das Geleit zu geben.

Am folgenden Tage rollten die Karossen der vornehmen Welt die Linden entlang und hielten an der Paradetreppe des langgestreckten neuen Opernhauses, das der König auf dem freien Platz dem Zeughause gegenüber erbaut hatte.