Man war beim Könige zu Gast! Er ließ seinen Märkern französische Komödie vorspielen. Aber zahlen durften sie nicht! Kommen auch nur, wenn ihre gesellschaftliche Stellung oder ihr Rang ihnen ein Anrecht auf eine Einladung gab.
Kritik wurde nicht geübt. Die Gazetten durften nicht genieret werden, so hatte der König wohl im ersten Jahre seiner Regierung geboten. Sie durften aber auch nicht genieren — dafür sorgte er auch! — Jede Besprechung öffentlicher Angelegenheiten, insbesondere militärischer Dinge, war rundweg verboten, und jede Zuwiderhandlung mit hoher Geldstrafe oder Entziehung der Konzession belegt.
Das Theater war des Königs Privatangelegenheit. Man schrieb also Berichte, erwähnte kurz, wer dagewesen war, was man gespielt und wer die Ehre gehabt hatte, aufzutreten. Aber man enthielt sich jedes Urteils. Dies wurde aber um so mehr bei den Vorstellungen laut. Und die Besprechungen erfolgten bei den gesellschaftlichen Veranstaltungen der feinen Welt — wenn auch mit der durch die Furcht vor Spionage gebotenen Reserve.
Der König wollte heute die Komödie besuchen.
Das genügte, um zu bewirken, daß alles sich nach der Vorstellung drängte.
In den Logen sah man, außer einigen distinguierten Fremden, deren gepuderte Lockenköpfe und modische Trachten das Aufsehen weckten, die ganze offizielle Welt.
Der Staatsminister Podewils war da, und mit ihm die meisten seiner Amtsbrüder. Die Herren vom Generaldirektorium, die hohen Justizbeamten und, sehr vornehm und distinguiert in den Sesseln ihrer Loge thronend, die Herren Akademiker. Die hatten aber oft das Pech, weder gesehen zu werden, noch sehen zu können.
Vor ihrer Loge weitete sich das Parterre, und das war gedrängt voll von Soldaten, die hier das Vorrecht hatten, und die ihre Weiber mitnahmen und sie sich gelegentlich auf die Schulter setzten, damit sie besser sehen könnten. Wobei es nicht immer ohne derbe Späße zuging und Gekreisch und Lachsalven einander ablösten.
Endlich kam der König, von seinem Freunde Keyserlingk, dem Grafen Algarotti und Chevalier Chazot begleitet.
Am Vormittag war er aus Potsdam angelangt, hatte das Diner bei der Königinmutter, Sophie Dorothea, im Schlosse Monbijou eingenommen und sich von dort in die Komödie begeben.