Man spielte das Hirtenspiel irgendeines modischen Franzosen. Als Zwischenspiel kam dann die große Sensation des Tages, das erste Auftreten Barberinas, um deren Haupt Fama schon den Schimmer der Romantik gegossen hatte, und über deren Person zahlreiche galante Legenden kursierten.
Sie hatte einen rauschenden Erfolg mit ihren wilden Bauerntänzen — nicht zum mindesten bei dem Parterre, wo die Begeisterung wohl nicht mit Zuhilfenahme der geschniegelten Salonmythologie, aber um so urwüchsiger und derber laut wurde.
»Dunnerschlag — die Schenkel!« rief ein bärtiger Musketier, als sie ihre Luftsprünge machte.
»Een Paradetritt jibt se her!«
»Beene hat se wie'n Pandur!« bemerkte ein anderer.
»Schwerenot — wenn das dem Fritze nich jefällt!«
»Der macht se noch zum Flügelmann bei de Jrenadiere!«
»Der Fritze wird wissen, wo er se läßt! Hab man keene Sorge nich!«
Immer und immer wieder mußte sie vortreten, um die Huldigung des Publikums zu empfangen. Und nachher wurde sie in die königliche Loge befohlen.
Sie hatte mit der ganzen Wut getanzt, die sie über die ihr angetane Gewalt empfand, und dabei — trotz aller Grazie — eine Verve entwickelt und ein Temperament bewiesen, das alles bezwang! Man hatte etwas anderes erwartet — eine Explikation ihrer Meisterschaft in der hohen Tanzkunst — und stand vor einer entfesselten Naturgewalt, die frappierte und jede Regung einer Opposition unmöglich machte! Sie hatte gehofft zu verletzen — hatte aber nur angenehm überrascht und fand schrankenlose Bewunderung in allen Blicken der lächelnden Gesichter.