Bei einem einzigen aber war diese Bewunderung mit solch überlegener Ironie gepaart, daß sie unwillkürlich den Trotzkopf beugte und von einer Anwandlung von Reue beschlichen wurde.
Eine unwiderstehliche Gewalt ging von der kleinen, eleganten, in reiche französische Tracht gekleideten Gestalt aus, die vor sie hintrat. Der große Kopf mit dem ausdrucksvollen Gesicht, das sarkastische Lächeln — die Freiheit von jeder Pose und, vor allem, das unergründliche tiefe Blau der großen Augen machte sie alles andere vergessen. Der Genius einer Zeit lebte in dieser unscheinbaren Gestalt! — Vor ihm versank alles andere und wurde zu nichts! — Ihre Kunst, und erst recht ihre persönlichen Wünsche, schienen ihr so unsagbar klein! Und als die Erscheinung mit einer menschlichen Stimme menschliche Worte an sie richtete — da war Staunen die erste Empfindung. Bis sie antworten mußte. Da regte sich ihr eigenes Genie, und sie gewann ihre Keckheit wieder.
»Nun, Mademoiselle, Sie hatten den Wunsch geäußert, mich zu sprechen! Was hatten Sie mir zu sagen?«
»Ich habe mich bemüht, Sire, es nach bestem Können in der mir gnädigst anbefohlenen Sprache vorzubringen!«
»Sehr gut!« lachte Friedrich.
»Hatten Eure Majestät auch die große Gnade, meine Dissertation so, wie sie gemeint war, aufzufassen?«
»Sie haben — mit den Beinen — sehr entgegenkommend gesprochen«, sagte Friedrich, der wohl das Zielen ihrer Entrechats nach seiner Loge bemerkt hatte. »So wollen wir es auch gern auffassen! Wir haben es wohl verstanden, daß Sie das Bedürfnis empfanden, Ihr Temperament in der neuen und ungewohnten Umgebung auszutoben — sich sozusagen Luft zu machen — sich Platz zu bereiten! Das nächste Mal hoffen wir Sie in der seriösen Kunst bewundern zu können! Sie werden uns bald in der Pantomime Pan und Syrinx vortanzen!«
Er gab ihr die Hand, die sie ehrerbietigst küßte.
»Mein Kompliment, Mademoiselle«, sagte der König noch gnädig. »Mit einem Charme haben Sie die Ketten zerrissen, mit denen sie der Faun zu fesseln versuchte — mit einem Furor, daß man denken müßte: da halten keine Ketten stand! — Es gibt aber Ketten, die nicht zu zerreißen sind! — Bon soir, mademoiselle!«
Und damit war die Audienz zu Ende.