Noch ganz wirr von dem überwältigenden Eindruck der ersten Begegnung, ging sie auf die Bühne zurück und folgte ihrer Mutter nach dem Wagen, ohne überhaupt daran zu denken, nach ihrem Beß zu sehen. Sie fragte nicht einmal nach ihm, als beim Souper sein Platz leer blieb.
Am folgenden Tage wurde ihr ein hoher Ministerialbeamter gemeldet, der ihr einen definitiven Vertrag vorlegte. Der Vertrag enthielt die ausdrückliche Bestimmung, daß sie während dessen Dauer, vorläufig drei Jahre lang, nicht heiraten dürfte — ließ aber den Platz für das Gehalt leer, denn sie sollte ihn nach Belieben ausfüllen dürfen. Sie schrieb 5000 Taler hinein — eine Summe, die der König sofort auf 7000 erhöhte.
Außerdem wurde ihr, im Auftrage des Königs, bedeutet, sie möge in der Komödie tanzen, wann es ihr beliebe. Nur in den Opern oder im Ballett sei sie an das Repertoire gebunden.
Und — so ließ der König gnädigst ansagen — bei Gelegenheit ihres nächsten Auftretens wollte er sich das Vergnügen geben, in ihrer Garderobe den Tee einzunehmen.
18
Man durfte des Königs Hunde nur per »Sie« und mit dem Hut in der Hand anreden. Die königlichen Lakaien hatten den exzellenten Vierfüßlern gegenüber einen schweren Dienst und konnten auf keine Gnade rechnen, wenn sie es an Aufmerksamkeit fehlen ließen.
Wenn der König spazieren fuhr, folgten ihm die Hunde oft in einer zweispännigen Karosse, sie selbst auf dem Hauptsitz, die aufwartenden Lakaien auf dem Rücksitz. So auch eines schönen Sommermorgens, als der König von Charlottenburg, wo er bis zur Beendigung der Hochzeitsfeierlichkeiten für seine Schwester Ulrike residiert hatte, nach Berlin hineinfuhr.
An seiner Seite im vierspännigen Wagen saß der Generaladjutant Winterfeldt. Sie kamen im tiefen Sande der Charlottenburger Chaussee nur langsam vorwärts. Das schöne Sommerwetter machte indessen die sonst einförmige Fahrt erträglich. Der König war gut gelaunt. Und als sie beim königlichen Tiergarten anlangten, wo er eine Menge neue Spazier-und Fahrwege hatte aufnehmen lassen, befahl er, vom »Großen Stern« nach dem »Zirkel« an den Zelten einzubiegen, wo die elegante Welt sich um diese Zeit Rendezvous zu geben pflegte.