An dem Ufer der Spree hatte der König dort einen freien Platz abholzen lassen. Im weiten Bogen zog sich der breite Fahrweg hin, von Promenaden umfaßt, wo unter schattigen alten Bäumen die Spazierenden sich ergehen konnten, während auf dem Damm in doppelter Kavalkade Fuhrwerke und Reitende sich in beiden Richtungen bewegten.

Am Wasser hatten einige, in Bereitung von Erfrischungen aller Art kundige französische Emigranten, von denen es seit den Religionsverfolgungen in Frankreich in Deutschland wimmelte, die Konzession erhalten, ihre Waren in Zelten feilzubieten.

Von den Wiesen jenseits der Spree wehte der laue Sommerwind die Düfte der Blüten herüber; durch das Laub der hohen Bäume rieselte der Sonnenschein herunter auf die bunten Farben der Trachten. Das goldene Schnitzwerk der zwischen hohen Federn aufgehängten Karosserien glänzte und glitzerte. Drinnen, auf schwellenden Kissen schaukelten schöne Damen in rauschenden Gewändern, lieblich grüßend, lächelnd, nickend. Die Augen glühten unter sauber gepinselten Brauen — die gepuderten Locken erhöhten durch ihr Mattweiß das duftige Rot der schön geschminkten Wangen, deren Reiz durch die Kontrastwirkung der schwarzen »Mouches« eine erhöhte Wirkung bekam.

Zwischen den Wagenreihen tummelten die Offiziere stolz ihre mit goldbestickten Schabracken verzierten Pferde, schlossen sich öfters an, um mit ihren in den Wagen thronenden Göttinnen verstohlen verliebte Gespräche zu führen. Auf dem Flusse glitten langsam Kähne vorüber, die Segel geschwellt — an den Zelten wehten Wimpel und Flaggen im bunten Spiel — Flöten und Geigen ließen ihre zarten Tonwellen steigen und hinsterben — das Lachen der silberhellen Stimmen — das Gesumm der Gespräche, das Wiehern der Rosse — alles floß zusammen zu einer Symphonie der Lebenslust — leise, zart, graziös und liebenswürdig —, die die Sinne der Teilnehmer bestrickend umfing, ihre Gedanken zerstreute und ihren Seelen Erholung brachte.

Berlin holte Atem. Als die königlichen Equipagen in die Kavalkade einschwenkten, ging eine Bewegung durch die Reihen. Aber nur für einen Augenblick. Weit entfernt, das Getriebe zu lähmen, spornte die Gegenwart des Königs die Fröhlichkeit an und hob die Stimmung noch mehr.

Friedrich unterhielt sich mit seinem Adjutanten, grüßte nach allen Seiten, schaute sich einmal nach dem Wagen seiner vierbeinigen Lieblinge um, winkte dann gnädigst einen vorbeireitenden Offizier an den Wagenschlag heran und richtete einige kurze Fragen an ihn. Er freute sich des luxuriösen Treibens seiner aufblühenden Hauptstadt, das, unter seinem Vater in strenge Zucht zurückgedämmt, sich jetzt wieder ans Licht wagte.

Plötzlich kam etwas Scharfes in seinen Blick, und seine Haltung straffte sich etwas.

In die Reihe der Entgegenfahrenden war eine prachtvolle, schön verzierte Karosse eingeschwenkt, von vier Schimmeln mit Vorreitern gezogen. Das vergoldete Schnitzwerk der Karosserie glänzte und glitzerte; die schön gedrechselten Speichen der hohen Räder drehten sich wie die Blitze des Sonnenrades; hinten auf dem Tritt, zwischen den hohen, schön geschwungenen Federn, standen in prachtvollen hellblauen und silbernen Livreen zwei Lakaien, stolz die Dreimaster auf den gepuderten Perücken balancierend. Ein fast königlicher Aufzug! Und im Wagen, auf schwellenden Kissen ausgestreckt, eine Königin der Anmut und der Schönheit — die Barberina! Neben ihr ihre Mutter, von Stolz gebläht und freundlich lächelnd den Gruß Friedrichs auf sich beziehend, als die Wagen sich begegneten.

Drüben, auf der anderen Seite des »Zirkels«, schloß sich ein Reiter ihnen an — es war der Gesandte Englands, dem die schnell intim gewordenen Beziehungen Barberinas zum König wohlbekannt waren, und der sich als Macher der Sache jetzt großtat und sie umschmeichelte, um vielleicht so etwas politisch Wertvolles durch sie zu erfahren.