Friedrich sagte rasch einige Worte zu seinem Adjutanten. Dieser winkte einen der Läufer, die dem königlichen Wagen voranschritten, herbei und erteilte ihm einen Befehl, den der Läufer dem folgenden Wagen übermittelte.

Dann schwenkte der königliche Wagen aus der Reihe und setzte die Fahrt nach Berlin fort.

Als aber der Wagen Barberinas, immer noch den englischen Gesandten am Schlage, nochmals vorbeikam, da bog der Wagen der königlichen Hunde dicht vor ihrem Wagen in die Reihe ein, und sie mußte ihm auf Schritt und Tritt folgen. So ging's einmal die Runde herum, als hätte der König dem Publikum das Rangverhältnis unter seinen Lieblingen recht deutlich ad oculus demonstrieren wollen. Dann setzten auch die Hunde ihre Reise nach der Stadt fort — Berlin hatte seinen Gesprächsstoff, die Neider der königlichen Favoritin bekamen Nahrung für ihre Schadenfreude, und Barberina hatte ihren Ärger, den man ihr jedoch unter der Schminke nicht anmerken konnte.

Sie tat, als hätte sie den Vorfall gar nicht bemerkt; sie unterhielt sich noch mit einigen ihrer Bekannten, lud ein paar befreundete Offiziere zum Besuch bei sich ein und kehrte dann nach ihrer Wohnung in der Behrenstraße zurück.

Dort fand sie einen Befehl des Intendanten vor, am nächsten Tage beim Konzert im Stadtschlosse zu Potsdam zu tanzen, und sie freute sich. Denn bei dem nachfolgenden Souper mit dem König wollte sie schon ihre Rache nehmen.

Der König aber hatte sich dazu bereit gefunden, noch unterwegs im Wagen seinem Adjutanten einige erklärende Worte zu sagen.

»Wir lieben die Mätressenwirtschaft bei unseren Gegnern und Verbündeten! Die Herren Politiker irren aber, wenn sie glauben, uns auf diesem ausgetretenen Pfade der irrenden Tugend beikommen zu können! Und was die Mamsells betrifft, so sollen sie amüsant sein und Charme haben, aber weiter nichts! Sie wollen aber alle erst belehrt sein, die rechte Distanz zu halten!«

Er freute sich nicht wenig, als ihm nachher berichtet wurde, daß der englische Gesandte bei seinem Versuch, die Hunde des Königs zu streicheln, von ihnen sehr übel abgefertigt worden war. Biche hatte sogar nach ihm gebissen.

»Die Biche weiß, was sich gehört! Sie versteht die Kunst, naseweisen Diplomaten Edukation beizubringen! Hört sie Geheimnisse mit an, so versteht sie sie nicht! Und was sie winselt, versteht kein Mensch! Das hat sie den Mamsells voran! Treu ist sie auch! — Sei er ruhig!« sagte er, da Winterfeldt schmunzelte. »Das verlange ich ja nicht von den Damen! Die müssen ihre Amouren haben! Sie sind Schmetterlinge und müssen hin und her flattern! Wenn sie bloß mit ihrer Buntheit das Auge entzücken — wenn sie graziös sind, Witz, Esprit, Charme zeigen und uns nicht mit zuviel Sentiment belästigen, sind wir zufrieden und widmen ihnen gern zur Erholung von unserer freien Zeit! — An unserem ernsten Tun aber können sie keinen Anteil haben! Und unsere Würde dürfen sie auch nicht mit einem Blick antasten wollen! Da hört jedwede Galanterie auf! Da geht der Hund vor!«