»Die werden Sie haben!« sagte Rothenburg und erhob sein Glas, in dem der Champagner perlte. »Auf treue Bundesgenossenschaft!«

»Auf treue Bundesgenossenschaft!« erwiderte sie und erzählte ihm dann den Vorfall, dem sie, nach ihrem Dafürhalten, die soeben erlittene Demütigung verdankte.

Es war beim letzten intimen Souper mit dem König gewesen, im »Konfidenzzimmer« des Potsdamer Schlosses. In übermütigster Laune hatte sie sich da einen Scherz erlaubt, der besser unterblieben wäre. Aber in der Situation sah sie in dem König nur noch den galanten Mann und vergaß ganz, daß man auch in Stunden, wo die königliche Würde nicht mittafelt, die Finger von ihr zu lassen hat.

Mit ihren rosigen Fingern hatte sie nach der Krone aus Kandiszucker gegriffen, die, wie immer, den Aufbau der Konfitüren krönte, hatte sie aufgehoben und hoch über ihren Kopf gehalten. Mit lachenden Blicken hatte sie gefragt:

»Warum wird die Krone nicht auch einmal verspeist?«

»Das ist hier in Preußen nicht üblich, Mademoiselle!« hatte er geantwortet mit einem Blick und in einem Ton, die gerade in dem Moment ihren Übermut zum Trotz aufflammen ließen.

»Wenn man aber gerade danach Appetit hat?« hatte sie gefragt.

»So wäre es doch nicht anzuraten! Sie würde Ihnen nur schwer im Magen liegen!«

»Trotzdem wage ich den Versuch! Heute abend wollen wir sie gemeinsam verspeisen!«

»Nein!« hatte er etwas gereizt gerufen und versucht, ihr das zuckerne Kleinod zu entreißen. Lachend wehrte sie's ab. Beim Kampfe bröckelte ein Stück von der Einfassung ab und blieb in ihrer Hand. Als sie es aber rasch in den Mund stecken wollte, entwand er ihr den Raub, fügte das Stück rasch wieder an seinem Platz ein und stellte die Krone auf den Tisch zurück.