»Pygmalion!« rief er — »Pygmalion ist's! Das Altertum hat für jede Regung des Geistes die treffende Formel gefunden! Was könnten wir wollen, was nicht schon die Alten in ihren Legenden zum treffenden Symbol erhoben hätten? — Nachbeten — nachbilden — nachempfinden — dazu sind wir verurteilt! So arm sind wir heutigen Menschen!«
Er sann darüber nach, wie die Legende zu gestalten sei.
In Worten — in Versen — in glatt und zierlich dahintrippelnden Rhythmen?
Unsinn! — Das Wort versagte, wo es nicht die Macht hatte, durch ein kurzes: »Es sei!« das Gewollte auch handgreiflich vor den Augen entstehen zu lassen!
In Tönen?
Unsere Sehnsucht geben, ja! — Unsere Freude über das Erreichte aufjauchzen — unsere Trauer über die Enttäuschung ausklingen — nie aber das innerlich Erschaute in Formen und Farben so aufleben lassen, daß die Mitwelt es mit dankbarem Staunen empfangen könnte.
In Marmor aushauen? — Und wenn der Meißel noch so geschickt zu arbeiten verstünde — erstarrte Bewegung war alles, was dabei herauskam! Die Bewegung — das Leben selbst aber niemals! Und der Anfang — die Entstehung der ersten Bewegung — das war der Vorwurf, den es zu gestalten galt!
Einzeln vermochten die Künste nichts!
»Wohlan, so treten die Musen zum gemeinsamen Sturmangriff an! Terpsichore kommandiert die Attacke! So geht's! Im Ballett stellen wir's dar! Malerei, Musik assistieren — der Mensch, aus toter Materia gebildet, wird, vom künstlerischen Schöpferwort beseelt, vor unseren staunenden Blicken zum Leben erwachen! So wollen wir's versuchen! Es sei!«
Er schellte. Dem herbeieilenden Kammerdiener befahl er, die Herren Graun und Pesne sowie den Intendanten der Oper zum Konzert zu befehlen, wo er sie zu sprechen wünsche.