Dann wieder allein, warf er die Papiere auf seinem Schreibtische durcheinander, um ein leeres Blatt zu finden und rasch das Bild zu entwerfen, daß er vom Meister Pesne nachher als Vorlage ausführen lassen wollte, nach der die Ballettszene gestellt werden könnte.

Plötzlich blieb er sitzen, ein Dokument in der Hand, und starrte es entsetzt an. Es war — ein ihm zur Unterschrift vorgelegtes Todesurteil! Tagelang hatte er es liegenlassen und die Entscheidung verschoben! — Und gerade jetzt mußte es ihm unter die Augen kommen!

Sein Geist rang mit dem Chaos, um aus dem Nichts Leben entstehen zu lassen! Fast glaubte er sich des Sieges gewiß — glaubte sich Herr und Gebieter des Lebens!

Und da hielt er es schwarz auf weiß in der Hand! — Herr über Tod und Leben! Aber wie anders! Nicht Schaffen! Vernichten war ihm gegeben! Dazu hatte er die Macht! Er vor allen anderen!

Er seufzte und warf das Papier hin.

»So armselig sind wir! Weiter reicht menschliche Gewalt nicht — nicht einmal in eines Königs Hand!«

Er nahm das Papier und las es aufmerksam durch. — Ein nach Recht und Gesetz gefälltes Todesurteil über eine Kindesmörderin! Ein Kasus, wo er keine Gnade walten lassen durfte — wo die Pflicht ihm gebot, die mitleidige Regung des Herzens zurückzudämmen und als höchster Richter den Stab zu brechen.

Er seufzte, tauchte den Gänsekiel ein und schrieb. Da stand es: »Fridericus Rex.« — Die starren Worte der Justiz hatten Leben gewonnen! Der Federstrich seiner Hand gab ihnen die Gewalt, das Henkersbeil in Bewegung zu setzen!

Er las es nochmals durch. Sein künstlerisches Gefühl empörte sich — sein gesundes natürliches Denken ebenso!

»Das seyndt verworrene Köpfe — verknöcherte Paragraphendrescher, die uns den Wisch zusammengereimt haben! Das sollen wir mit unserem Namenszug sanktionieren?! Nimmermehr!«