Da stand es aber bereits: »Fridericus Rex!«
Rasch entschlossen nahm er den Gänsekiel, kratzte in aller Eile einige Zeilen über seine Unterschrift hin und las es dann laut durch:
»An meinen Minister von Broich!
Ich remittiere Euch beikommende Ordre unvollzogen! Ihr hättet von selbsten leicht einsehen können, wie es sich ganz nicht schicke, Mir Rubriquen, so mit so viel juristischen Latein bespicket sind, vorzulegen, da solche zwar deren Juristenfakultäten, Schöppenstühlen und Kriminalgerichten bekannt genug sein mögen, vor Mir aber lauter Arabisch sind. Ihr hättet solches auch in dieser piece umsomehr verhüten sollen, da es auf Menschenleben ankommt und ich keineswegs dergleichen mit so vielen Mir unbekannten Worten angefüllte Confirmationes unterschreiben kann, ohne den wahren Innhalt zu wissen. Ihr sollet also mit dergleichen lateinischen Rubriquen sparsamer sein und, wenn Ihr etwas berichtet oder zur Unterschrift schicket, hübsch Teutsch schreiben, solches auch deren Secretarien der Kanzlei bekannt machen.
Potsdam 7. August 1744.«
»Bis meine Herren Juristen Teutsch lernen — das kann lange dauern! So lange hat denn jenes armselige Geschöpf eine Gnadenfrist. — Und wir auch!«
Zufrieden, für heute über die Sache hinweggekommen zu sein, klingelte er, ließ den Privatsekretär kommen, übergab ihm das Dokument, erledigte auch die anderen Unterschriften und befahl die Audienzen.
Zunächst wurde der Staatsminister von Podewils vorgelassen, der ein sehr bekümmertes Gesicht zur Schau trug.
Friedrich zog gleich scharfe Saiten auf.
»Nun, Podewils, woher die grämliche Miene? Wir stehen dicht vor dem Losschlagen! Und Er schaut aus, als hätte Er einen Topf mit Senf unter der Nase! Wir dachten, Er hätte sich an die üblen Gerüche aus der politischen Hexenküche gewöhnt? Schöne Düfte werden uns da nicht beschert! Nach Niederlage riecht's aber nicht! Und Er sieht aus wie ein leibhaftes Debakel!«
»Majestät werden verzeihen, wenn die Sorge um die Wohlfahrt des Vaterlandes —«