»Die Sorge haben wir Ihm abgenommen, als wir uns entschlossen, das Schwert zu ziehen! Er braucht sich deshalben nicht zu fatigieren! Wir brauchen Seine Einwände heute nicht mehr! Daß Er ein Angsthuhn ist, wissen wir! Hat Er ansonsten etwas zu berichten?«
»Auf die Gefahr der allerhöchsten Ungnade hin wage ich doch darauf hinzuweisen, daß der Krieg noch zu vermeiden wäre!«
»Wenn unsere Herren Politiker so räsonieren, dann ist erst recht Not am Mann! Da müssen wir darauf gefaßt sein, sofort zur Attacke blasen zu lassen! Sonst haben wir die Kriegsfurie über Nacht im eigenen Lande.« »Und doch muß ich einen Widerspruch darinnen sehen, wenn Eure Majestät einen Krieg anfangen wollen, um einen Krieg zu vermeiden!«
»Er ist dreist! Doch Er glaubt wohl seine Pflicht zu erfüllen! Ich will Ihm denn antworten! Zu vermeiden ist ein Krieg nicht mehr, den wir als unvermeidlich ansehen! So Er die Augen auftut, wird Er uns beipflichten! Der Friede von Breslau gibt uns schon — nach zwei Jahren keine Sicherheit mehr! Wir schlagen also los, um den Krieg, der doch kommen muß, zu der für uns günstigsten Zeit zu führen — nicht erst, wenn's dem Feind am bequemsten! Das Haus Habsburg duldet nicht, daß ein Wittelsbacher die kaiserliche Krone trägt! Der Kurfürst von Bayern ist aber recte zum Kaiser gewählt! Trete ich dann als reichstreuer Fürst für den Kaiser ein, so kämpfe ich doch in erster Reihe für Preußen gegen Österreich! Denn uns droht der nächste Schlag!«
»Der König von England lenkt aber ein und will seinen Einfluß aufbieten, um die Königin von Ungarn zum nochmaligen feierlichen Verzicht auf Schlesien zu bewegen!«
»Weil er weiß, daß ich jetzt schon losschlage!«
»Zunächst wohl aber auch aus dem ganz natürlichen Interesse für das Wohlergehen Eurer Majestät, die die enge Verwandtschaft ihm nahelegen muß!«
Friedrich lachte laut auf.
»Wahrlich, die großen Fürsten, die die Bande des Blutes respektieren, sollen noch gefunden werden!«
Er setzte sich in das Sofa hinter dem Schreibtisch und blickte seinen Minister spöttisch an.