»Deshalb betreten wir es auch nur auf kaiserlichen Befehl! Die kaiserlichen Requisitorialbriefe, die von Sachsen freien Durchzug für Seiner Majestät preußische Hilfstruppen verlangen, sind bereits in Dresden abgegeben worden!«
»Und Sachsen rüstet! Dresden wird befestigt! Man hat uns Drohbriefe geschickt!«
»Dann fängt eben Sachsen den Tanz an! Wir nicht! Wir ziehen vorläufig nur mit unseren Truppen durch das Land! Er soll sehen, wie hübsch brav die Sachsen dann mit dem Säbelrasseln aufhören und uns noch Brücken über die Elbe schlagen werden! Wenn nicht — dann riskieren wir eben die Ungnade Rußlands! Bis die Russen marschieren, haben wir längst gesiegt! Nun gehe Er aber und lasse Er mich mit Seinen Bedenken ungeschoren! Meine Befehle hat Er! Daß Er sie mir richtig exekutiert und keine Minute mit unnützem Geschwätz verliert, weder vor mir noch vor anderen, will ich nunmehro hoffen! Gott befohlen!«
Podewils ging, und der König ließ seine beiden Freunde Jordan und Knobelsdorff rufen, die auch auf Audienz warteten.
Knobelsdorff überbrachte, wie befohlen, einige Detailpläne für Sanssouci, die auch Jordan begutachten sollte. Und die drei Freunde waren bald in die Betrachtung der Zeichnungen und Entwürfe vertieft und ließen Politik Politik sein.
Die Bibliothek war endlich nach Friedrichs Wünschen, ebenso die Schlaf-, Empfangs-, Musikzimmer und die beiden großen, runden Pfeilersäle des Mittelteils, die als Speise-und Audienzsaal vorgesehen waren. Um diese Säle und ihre Einrichtung hatte man schon viel hin und her beraten — heute lagen die endgültigen Entwürfe zur Genehmigung vor.
Die Zimmer des linken Flügels fehlten noch. Friedrich wollte sie als Gastzimmer für seine Freunde herrichten lassen. Und da sollte das letzte, das dem Bibliothekzimmer im rechten Flügel entsprach, als besondere Ehrung für den von ihm vielbewunderten Voltaire eingerichtet werden — was wieder den beiden anderen Freunden überflüssig erschien!
Knobelsdorff sträubte sich energisch dagegen.
»Knobelsdorff wurmt's«, sagte der König, »daß er in meinem Hause nicht die übliche Schloßkapelle bauen darf! Nicht, weil ihm daran gelegen wäre, Gotteshäuser zu bauen! Bloß — wegen der dekorativen und architektonischen Aufgabe, die ihm so entgeht! Die Baumeisters sind wie die Pfaffen! Heuchler alle miteinander! Die Sache gilt ihnen stets weniger als das, was drum und dran ist!«
»Nein, nein!« rief Knobelsdorff aufgeregt, »an meiner Person ist mir wahrhaftig nichts gelegen!«