»Wir können wieder beißen, wenn's sein muß, und haben keine andere Abwehr nötig! Aber tob dich in der Einrichtung aus, soviel du willst, um seine Eitelkeiten zu geißeln! Bring das ganze Tierreich an — der Papagei darf nicht fehlen! Gieß Hohn und Spott und Satire aus vollen Schalen über ihn aus! — Nur mach's geistreich! Und schaff dir gute Handwerker zur Ausführung! Mach mir einen Entwurf und lege ihn mir vor, wenn ich wieder da bin! Spätestens zu Weihnachten! Denn im Frühjahr legen wir den Grundstein, ob der Krieg vorüber ist oder nicht!«
Knobelsdorff packte seine Zeichnungen ein. Die beiden Freunde verabschiedeten sich und wollten gehen. Da packte Friedrich noch Jordan so heftig am Rockzipfel, daß der kleine dürre Mensch fast umgefallen wäre.
»Du mußt mir noch ein Amt und eine rein praktische Tätigkeit für Voltaire finden!« sagte er. »Mit dem mache ich's wie mit den Pfaffen! Ich lasse keinen Pfaffen ins Amt, der sich nicht vorher verpflichtet, Obstbäume zu pflanzen und im Gartenbau vorbildlich zu wirken! Der Gartenbau veredelt und besänftigt! — So wirken wir der Entstehung von Fanatikern entgegen und haben nebenbei auch fürs zeitliche Leben einen kulturellen Gewinn der priesterlichen Tätigkeit!
Mit Voltaire wollen wir's ebenso machen! Auch er soll hier im Lande von Amts wegen pflanzen und säen, damit sein unruhiger Geist keine Zeit zum Extravagieren hat! So bleibt er uns sicher, und wir haben keine Mühe, ihn zu bändigen! Denk darüber nach! Au revoir!« Die beiden Freunde gingen. Friedrich ließ sich den Degen umschnallen, nahm die Handschuhe, pfiff seinen Hunden und ging hinaus, um noch vor dem Essen die Exerzitien anzusehen!
Nachmittags um sechs war, wie befohlen, das Konzert!
Ausnahmsweise spielte der König heute nicht selbst. Die Hauptnummer füllte diesmal ein Tanzdivertissement von Barberina und Lany aus.
Wie sich's im intimen Rahmen des Musikzimmers von selbst ergab, mußte auf größer angelegte Nummern verzichtet werden.
Man beschränkte sich auf Schäfertänze, zierliche pas de deux, allemagnes, und zuletzt kam eine mit hinreißender Bravour von der Barberina getanzte Tarantella!
Es waren nur einige wenige Eingeladene, vor allem die zur Beratung Befohlenen, der Intendant Baron Sweerts, Graun und der Maler Pesne, die Friedrich noch vor Beginn des Konzerts über seine Pläne orientiert hatte.