Kein Beifall durfte laut werden. Aber in den Blicken der Zuschauer, die alle von der Leistung Barberinas hingerissen wurden, war helle Begeisterung, und Entzücken in allen Zügen.

Nur der König saß sinnend da und sah zerstreut dem Tanze zu. Er war noch ganz erfüllt von den vielen künstlerischen Entwürfen, die seinen Geist beschäftigten! Denn auch die Politik, und insbesondere der Krieg, stellte ihm künstlerische Aufgaben, die er sich mit der ganzen Schwungkraft seines leidenschaftlichen Ehrgeizes zu bewältigen bemühte. Nach allen Seiten suchte sein Geist Expansion — von allen Seiten stürmten die Aufgaben auf ihn ein — er war in vollem Kampf mit der Materia — voller Eroberungslust und dem Schöpferdrang, ihr Bewegung, Schönheit, Ruhm, Macht und geistige Werte abzuringen.

Was sich da vor seinen Augen, beim Tanze Barberinas, in schönen Linien und Rhythmen bewegte, war ihm weiter nichts als leidenschaftlich bewegte Materia — sein Material: das lebendige Fleisch und Blut, das er seinen Ideen dienstbar machen wollte, um es in neue künstlerische Werte umzubilden, wenn auch nur für die Lebensdauer einiger Minuten.

Die Materia in höchster Vollendung, in schönster Belebung — weiter nichts!

Was die Barberina gab — was sie seinen Augen und seiner Phantasie darbot, war ihm nur insofern wert, als es ihn sehen ließ, was aus ihr herauszuholen wäre! Keinen anderen Reiz hatte ihr Tanz im gegenwärtigen Augenblick für ihn, der, von seinen Plänen ganz erfüllt, wie ein Vulkan vor der Eruption zitterte.

Noch lange, nachdem der Tanz beendigt war, saß er so, in Sinnen versunken, und bemerkte weder die fragenden Blicke seiner Gäste, die auf ihm ruhten, noch die Enttäuschung der Künstler, die, wegen des Ausbleibens der gnädigen Komplimente, ganz vernichtet dastanden.

Nur Barberina ließ so etwas wie Trotz in ihren Augen aufleuchten! Und das empfand er.

Zögernd stand er auf, kam langsam auf sie zu, ergriff ihre Hand und berührte flüchtig ihre Fingerspitzen mit den Lippen.

»Charmant!« sagte er galant. »Sie haben viel Grazie und echte Passion bewiesen! Aber was Sie tanzten, das sind Spielereien! Sie sind eine große Künstlerin, voll schöpferischer Intuition. Sie müssen lernen, Ihrer würdige Sujets zu eruieren! Sie bedürfen darin noch der Führung! Wir haben Anlaß genommen, Ihnen ein Ballett komponieren zu lassen, worinnen Sie alle Ihre exzellenten Vorzüge zu voller Geltung bringen können! Meister Graun wird es in eine der auf dem Spielplan stehenden Opern einfügen. Die Idee stammt von uns selbst! Meister Pesne fertigt die dekorativen Entwürfe an — unser Intendant hat die Anweisung, an nichts zu sparen, sondern alle Kräfte unserer Oper aufzubieten. Alle Schwesterkünste Terpsichores werden Ihnen dienstbar gemacht — Schönheit, Grazie, Leidenschaft haben Sie auch zur Verfügung Ihres eminenten Könnens! — Wir wollen eine Apotheose der durch den Geist belebten Materia — die Geburt der Bewegung — des Lebens selbst wollen wir durch Ihre Person in Erscheinung treten lassen! Sie sollen Galathée darstellen, Mademoiselle, die unter den Händen Pygmalions zu leben beginnt! Das können Sie, darauf vertrauen wir fest, wie keine andere! So wollen wir Sie — in Ihrer Kunst — verehren! Bon soir, mademoiselle! — Bon soir, messieurs!«

Er hob den Hut leicht, neigte den Kopf gegen die Anwesenden und ging in seine Gemächer!