Wie ein General nach beendigter Parade Kritik hält oder, vor einer Schlacht, die ordre de bataille erläutert — so hatte er gesprochen! Auch das Lob kurz bemessen und dienstlich knapp!

Und dann: »Bon soir, mademoiselle!«

Nicht die erwartete, ihr so oft schon erteilte Einladung zum Souper im Konfidenzzimmer! — Ihr ganzer übermütiger, mit Rothenburg ausgeheckter Racheplan war ins Wasser gefallen! Sie war gewiß gewesen, durch ihn alles wieder einzurenken und seine gute Laune wiederherzustellen! Und nun entzog er ihr die Gelegenheit, stellte sie auf die Stufe der angestellten Künstlerin und kehrte den gnädigen Herrn und Gebieter heraus, statt, wie so oft, den galanten Verehrer!

Sein Feldherrngenie hatte eben mit feinem Instinkt die Falle gewittert und der Gefahr geschickt vorgebeugt.

»Bon soir mademoiselle!« hatte er gesagt und das Schlachtfeld verlassen! Gleichzeitig aber es glänzend behauptet!


19

Im Hause des Grafen Rothenburg war eine glänzende Tafelrunde um Barberina versammelt.

Die Koryphäen der Hofgesellschaft hatten sich Rendezvous gegeben. Graf Algarotti, Chevalier du Chazot, Rothenburg selbst — alle waren sie da; selbstverständlich auch Pöllnitz, der nach dem Scheitern seines Nürnberger Heiratsprojekts zurückgekehrt und vom König wieder in Gnaden oder vielmehr in gnädigsten Ungnaden aufgenommen war.

Die erlesensten Speisen wurden aufgetragen — der Champagner perlte in den Kelchen — die Stimmung war ausgelassen — Scherze und Anekdoten lösten sich ab. Und da hatte der unermüdliche Erzähler Pöllnitz, wie immer, das große Wort.