»Die Hoffnung habe ich längst aufgegeben«, sagte Pöllnitz mit einem affektierten Seufzer. »Ich ließ mir von jener in Lieblichkeit gehüllten Teufelsbrut, von der Eure Majestät sangen, den Lebenssaft eben nicht vergiften!«
»Himmelsbrut müßten Sie sagen, lieber Baron«, lispelte Barberina. »Gott hat doch, wie Majestät so richtig sagten, auch den Teufel erschaffen!«
»Er hat aber auch Pöllnitz erschaffen!« lachte Friedrich.
»Und Pöllnitz blieb im Herzen rein!«
»Entsetzlich!« rief Pöllnitz. »Meiner Reinheit halber müßte also jenes höllische Ungeheuer Weib, dem Eure Majestät in dem soeben mit so großer Kunst vorgetragenen Gedicht die Krallen abzuschneiden die Gnade hatten, statt Honig und Manna >ewig Staub< fressen!«
»Geben wir uns besiegt, Mademoiselle! Wir kommen gegen Pöllnitzens Logik nicht auf!«
»Majestät wollen nicht vergessen«, sagte Barberina, »daß unser lieber Baron der einzige unter uns ist, der den Stein der Weisen in der Hand gehabt hat!«
»Dagegen möchte ich protestieren!« rief Jordan lebhaft. »Jeder Mensch hält einmal im Leben, wenn auch ohne es zu wissen, den Stein der Weisen in seiner Hand, und damit die Macht, in dem Moment sein Schicksal zu gestalten! Hat er Glück, so übt er, justement in dem Augenblick, instinktiv seine Macht aus — und wird sehend, nicht nur für sich, sondern auch für die anderen!«
»Du hast recht, Jordan«, sagte Friedrich ernst. »Die Natur stellt uns da auf die Probe, ob wir die empfangenen Fähigkeiten so weit zu entwickeln imstande sind, daß wir unsere Bestimmung ahnen und danach unsere Handlungsweise für alle Zukunft richten! Bestehen wir die Probe, so werden wir nicht verworfen, und Fortuna hält in jeder Gefahr schützend ihre Hand über unsere Person und unser Tun! Die Aufgabe, die einem jeden dabei gestellt wird, fällt weniger ins Gewicht! Die Hauptsache ist, daß man die Fähigkeit erlangt, schnell wie der Blitz die Gelegenheit zu erfassen und zu benutzen! Die wird einem jeden, der sie will! Sie geht ihm aber unwiederbringlich verloren, wenn er nur ein einziges Mal zaudert, im Entschluß zaghaft oder in der Ausführung unsicher wird! Zäh an dem Glauben der Vorbestimmung unseres Lebensschicksals festhalten — das ist mein Glaube!«
»Selig macht dieser Glaube aber auch nicht! Und Enttäuschungen bringt auch er«, entgegnete Jordan. »Also möchte ich das auch Aberglauben nennen! Aber — der Aberglauben des Genies!«