»Ob mein Glaube mich selig macht oder nicht, das wird nicht einmal Jordan zu entscheiden haben!« lachte Friedrich. »Wir wollen hier nicht dem Jüngsten Gericht präjudizieren!«

»Warum nicht, Sire«, sagte Barberina. »Es wäre doch amüsant, sich eine Vorstellung des Hergangs zu machen! Ich bin wirklich begierig, zu wissen, ob und wie wir, die wir hier um den Tisch sitzen, uns beim Jüngsten Gericht wiedersehen werden!«

»Wenden Sie sich an Pöllnitz, Mademoiselle! Er ist der einzige von uns, der mit zeremoniellen Dingen Bescheid weiß!«

»Majestät haben also die Gnade, anzunehmen, daß ich wenigstens als Sachverständiger für die himmlische Seligkeit in Frage käme?«

»Das muß Er uns eben beweisen! Wie würde Er es zum Beispiel anstellen, um für uns selbst die ewige Seligkeit zu beanspruchen?«

»Ein schwerer Kasus!« lachte Jordan.

»Um so mehr Reiz muß es für Pöllnitz haben!«

»Ich muß gestehen«, sagte Pöllnitz, »ich befinde mich da in einiger Verlegenheit! Ich hatte noch nie einen König auf der Liste der von mir zu erbittenden Audienzen. Wenn ich also am Himmelstor anklopfe, und Sankt Petrus mir aufmacht —«

»Dann wird Er weder König noch Bettler, sondern den Menschen zu melden haben, lieber Pöllnitz! Mich melde Er also nur als den Fritz!«

»Zu Befehl! Ich melde also den Fritz! — >Was will denn der hier?< wird der gestrenge Hüter des Himmelstors fragen. >Der hat schon auf Erden seine Seligkeit — im Ruhm gesucht! — Der hat keine andere gelten lassen! Hat der jemals Liebe empfunden? Hat er sich wie ein wahrer Christ gedemütigt?! Hat er den rechten Glauben betätigt?! Er will vor Gottes Thron erscheinen?! — Ja — hat er denn etwa — er, der stets die Gottheit mit den Lippen verleugnete — im geheimen doch an sie geglaubt?< — Was soll ich armer Erdenwurm dann auf so knifflige Fragen antworten, Sire?«