»Mein lieber Zeremonienmeister«, sagte Friedrich, und es kam etwas Straffes in seine Haltung und Festigkeit in seinen Blick, »frage Er mich danach — in der nächsten Schlacht, wenn die Kugeln uns um die Ohren pfeifen und nicht treffen! Wenn Er mich dann noch fragt — da werde ich Ihm auch zu antworten wissen!«
Es wurde still in der Runde. Aller Blicke senkten sich vor der Majestät, die aus den Worten sprach. Barberina wagte zuerst die Stille zu brechen.
»Und der Graf Rothenburg? — Wenn Sankt Peter nach seinen Meriten fragt — was werden Sie sagen?« Pöllnitz lachte boshaft auf.
»Da habe ich gar keine Angst! Wenn auch der Torhüter des Himmels beim Lesen des Namens Rothenburg seinen silbernen Bart schüttelt und mich unter buschigen Brauen barsch anglotzt und sagt: >Wie? Dieser Sybarit — dieser lockere Gesell bemüht sich auch um Eintritt? Ich sah ihn noch nie auf dem schmalen Pfad der Tugend!< — >Exzellenz<, werde ich sagen, >der Graf hat sich zwar in Worten mit seinem Unglauben gebrüstet, aber nur weil es Mode war! Seine eigene Tugend hat er stets so gut zu verbergen gesucht, daß kein Mensch sie je in Gefahr bringen konnte! Sein Leben lang lag er stets in inbrünstiger Anbetung auf den Knien. Aus ganzer Seele verehrte er die Schönheit, die Anmut und den Geist, die der Schöpfer in das Vollkommenste seiner Schöpfungen niederlegte! Stets machte er die schönsten der Frauen zu Altären seines Gottesdienstes! Sein Gebet war Poesie — seine Beichte atmete beseligende Liebe. — — Ehren, Auszeichnungen, Reichtum — allem entsagte er und legte es den Frauen zu Füßen! Gesundheit, Leben — alles opferte er ihnen in zahllosen Duellen, und was hatte er davon? Undank, Neid, Verleumdung, die grausamsten Qualen der Eifersucht! — Kein Heiliger war öfter in Versuchung als er! Kein Heiliger wurde je so schwer geplagt — kein Heiliger fiel öfter als er — und lernte die Sünde so gut aus eigener Erfahrung kennen!< — >Laß den braven Mann eintreten!< wird Petrus sagen. >Als abschreckendes Beispiel — als bußfertiger Schlemmer — als Prediger für die Wüstlinge wird er das rechte Wort zu finden wissen!<«
»Fürwahr!« lachte Rothenburg, »wenn ich mit Sicherheit darauf rechnen dürfte, daß Pöllnitz mir als Fürsprecher dienen würde — mir wäre es um die Seligkeit nicht bange! Denn er hat mehr und bessere Ausreden als tausend Priester! Ich befürchte aber, daß er seine Gewandtheit in höfischen Künsten mitsamt seiner übrigen Leiblichkeit hienieden lassen wird, um im Stande der Unschuld da oben zu erscheinen!«
»Da wird nicht viel von ihm übrigbleiben!« lachte Friedrich.
»Er wird jedenfalls so viel Geist damit verbrauchen müssen, uns andere hineinzuschmuggeln, daß er selbst nachher dumm draußen stehen muß!« sagte Jordan.
»Mit Ihnen werde ich nicht viel Mühe haben, Jordan!« rief Pöllnitz. »Bei Ihnen wird der Hinweis genügen, daß Sie Pastor waren und aufhörten es zu sein! Die Tatsache, daß Sie schon bei Lebzeiten aufhörten, mit dunklen Rätseln die Geister hienieden zu verwirren und so, wenn auch negativ, zur Aufklärung beitrugen, wird beredter für Sie sprechen als ich! Und wenn das nicht genügen sollte — ich brauchte bloß darauf hinzuweisen, daß Sie sich bei jedem Gewitter bekreuzigen und Ihre lästerlichen Reden bei Tag durch allabendliche Gebete vor dem Zubettegehen wieder gutmachen! — Mit Ihnen werde ich es also leicht haben! Weit mehr Sorge macht es mir, wie ich einen anderen, der hier nicht anwesend ist, hineinbringe, denn er wird sicherlich zunächst dem Könige auf meiner Liste stehen! Ich meine Voltaire! Ich wüßte nicht, was ich Gutes über ihn vorbringen könnte!«
»Da wäre ich auch in Verlegenheit!« sagte Barberina, die auf die in den Augen des Königs alles überragende Bedeutung Voltaires auch eifersüchtig war. »Was würden Sie zum Beispiel antworten, wenn Petrus Ihnen vorhielte, daß er durch Sklavenhandel Reichtümer sammelte?«
»Ich will Ihnen helfen, Pöllnitz«, rief Rothenburg.