»Ach bitte, tun Sie das!«

»Sagen Sie nur: wenn er sich mit Sklavenhandel befaßte, so tat er's nur, um das Leben in seiner grausamsten und scheußlichsten Form kennenzulernen. Denn das mußte er als Sittenschilderer! Und wenn er dadurch Reichtümer sammelte, so tat er's — um frei und unabhängig zu werden! — Denn nur als freier Mann wird er sich den Luxus leisten können, für die Rechte des Menschen einzutreten und aufklärend zu wirken!«

»Wenn aber Petrus mir dann vorhält, Voltaire hätte das Heiligste verspottet, da er sagte: >Wenn jener Jude mit seinen zwölf Aposteln die christliche Religion zu stiften vermochte — warum sollten nicht ich und zwölf ebenso gescheite Leute eine weit bessere Religion machen können?< — Denn das hat er gesagt!«

»Er hat aber keine gemacht!« sagte Friedrich ruhig. »Und wenn Sie darauf hinweisen, wird es genügen! Denn schon die Tatsache, daß er der Welt nicht noch eine neue Religion bescherte, ist ein so ungeheures Verdienst um den Frieden auf Erden, daß das allein da oben all seiner Bosheit und seinem Spott zur Entschuldigung dienen würde!«

»Sire, wenn Eure Majestät da oben so gut Bescheid wissen — dürfte ich dann alleruntertänigst bitten, mir gnädigst zu sagen, unter welchem Vorwand ich selbst hineingelangen würde?« fragte Pöllnitz. »Ohne allerhöchst Dero Protektion geht's sicherlich nicht! Es gibt wohl keinen Erdenwurm, der so viel Pech hat, wie ich — — keinen, dem so viel Schlechtes nachgesagt wird! Wenn ich mit all dieser Sündenlast da oben ankomme — und überdies noch für Eure Majestät und die gesamte Suite von Philosophen aufkommen muß — dann wird man mir zu guter Letzt sagen: >Pöllnitz, in die Hölle mit dir! — Du verseuchst uns den Himmel mit all den Freigeistern! Wenn unsere Leute hier oben zu viel Aufklärung erhalten, dann glauben sie nichts mehr, dann werden sie zu gescheit — dann werden sie sagen, die Seligkeit hier oben ist keine Seligkeit, und was weiß ich noch!«

»Sei Er unbesorgt, lieber Pöllnitz!« sagte Friedrich und leerte sein Glas. »Dann wird Seine Flatterhaftigkeit und Sein loses Maul da oben erst recht als Kontrast gebraucht, um das Gleichgewicht gegen uns andere herzustellen. Und wenn Er wirklich all die Schlechtigkeit mit heranschleppen würde, die man Ihm, mit Recht oder mit Unrecht, hienieden nachsagt, und alle die Flüche, die Er in dem langen Lotterleben auf Seinem sündigen Haupt angesammelt hat — dann wird der Herrgott, sofern ich ihn kenne, laut auflachen und sagen: >Geh, Pöllnitz, Er ist ein Schaf! Tret Er her und stelle Er sich zu meiner Rechten!<«

Worauf er Barberina die Hand küßte, aufstand, den Hut lüftete und ging, wie er gekommen war, von Jordan gefolgt und von Rothenburg unter vielen tausend alleruntertänigsten Komplimenten bis an den Wagen geleitet.


20

Das Opernhaus lag hell erleuchtet da, dicht umstanden von glänzenden Equipagen, Dienern mit lodernden Fackeln und Hunderten von Neugierigen, die der Winterkälte trotzten, um etwas von dem Glanz und der Pracht zu sehen.