Der König war nach sechsmonatigem Aufenthalt im Felde wieder nach Berlin zurückgekehrt und hatte einen Maskenball ansagen lassen. Und alle, die irgendwie berechtigt waren, zugelassen zu werden, drängten sich, ihn zu sehen und am Feste teilzunehmen.

Die Auffahrt des Hofes war beendigt, der Ball in vollem Gange. Da trat aus einer Tür der dem Schlosse zugewandten Seite des Hauses eine Gestalt heraus, den Hut tief in die Stirn gedrückt, den weiten Mantel dicht zusammengezogen, drängte sich schnell durch die Schar der Gaffer und entfernte sich nach dem Schlosse zu. Über die lange Brücke ging ihr Weg und dann am Ufer des Flusses entlang, an dessen anderer Seite die riesige Silhouette der Hohenzollernburg hoch zum Nachthimmel ragte.

Kein Licht war im ganzen Hause zu sehen, außer in der offenen Wasserpforte, durch die dunkle Schatten heraus und hinein huschten, schwere, verhüllte Gegenstände trugen und sie auf einen langen Spreekahn verluden.

Der Wanderer blieb an der Brüstung stehen und schaute neugierig dem geheimnisvollen Treiben zu, bis die Fackeln verloschen, das Tor verschlossen wurde und der Kahn sich langsam in der Richtung nach der Münze zu in Bewegung setzte. Dann ging der Wanderer weiter durch die dunklen Straßen, stieg die Treppen eines alten Patrizierhauses hinauf und trat in das geräumige Schlafzimmer im ersten Stock ein, das nur schwach erleuchtet war.

Er trat an das Bett, aus dem beim Öffnen der Tür ein schwacher Husten hörbar wurde.

»Du hast mich rufen lassen, Jordan! So geht es dir schlimmer?«

»Nicht schlimmer als sonst — aber doch schlimm genug! Ich konnte meiner Unruhe nicht Herr werden! Der Gedanke, daß ihr Feste feiert, wenn um uns herum alles in Trümmer zu fallen droht, peinigte mich. Um so mehr, da ich hier ohnmächtig liege und kein Wort der Warnung am rechten Ort und zur rechten Zeit laut werden lassen kann! Den König durfte ich nicht stören! Und so rief ich dich!«

Keyserlingk, denn er war es, schlug den Mantel zurück und setzte sich in den Sessel am Bett.

»Wie du siehst, bin ich deinem Rufe gleich gefolgt! Ich mußte mich aber beim König beurlauben und sagte ihm also von deinem Wunsch! Er läßt dich grüßen und will selbst nach dir sehen! Ihm wird es auch darum zu tun sein, des Freundes Stimme zu hören!«

»Wäre das der Fall, so würde er sich nicht mit Festen zu betäuben suchen!«