»Andere will er betäuben, nicht sich! Er will keine Beunruhigung aufkommen lassen, deshalb zeigt er sich der Menge froh und vergnügt! Du kennst den Fritz doch ebensogut wie ich!«

»Ich kannte ihn vielleicht besser als irgendeiner! Ich erkenne ihn aber nicht wieder, seitdem er die großen Enttäuschungen dieses so glorreich begonnenen Feldzuges erlebt hat! Kein Wort spricht er darüber, er, der mir sonst alles anvertraute!«

»Du bist krank, und er will dich nicht beunruhigen!«

»Dann müßte er mir eben reinen Wein einschenken! Er fürchtet aber meine Kritik! Voll Übermut zog er hinaus in den Krieg! Jetzt schämt er sich!«

»Du fieberst, sonst wärest du der letzte, solche Worte zu sprechen! Wann ging er je einem offenen Wort aus dem Wege?! Er bedarf deiner Kritik nicht! Er steht mitten in seiner Tat und kennt sie besser als irgendeiner! Alles, was du ihm sagen könntest, hat er sich selbst gesagt — und mehr noch dazu!«

»Mir ist es darum zu tun, zu helfen, nicht zu tadeln! Vier Augen sehen mehr als zwei! Und jetzt, wo alles von ihm abfällt, wo er nicht mehr weiß, auf wen er sich hier im eigenen Hause verlassen kann, täte es ihm not, daß auch andere die Augen für ihn offen halten!«

»Wennschon, so bedarf er vor allem, daß man ihn nicht verstimme. Dem geht er aus dem Wege, und da hat er recht!«

»Das tat er aber früher nicht!«

»Die sechs Monate haben ihn eben um Jahre der Erfahrung reicher gemacht. In der Not lernt man die Menschen kennen! Wer was taugt, entnimmt der Niederlage die Lehre für den Sieg! Anderer Lehren bedarf er dann nicht!«

Jordan schwieg. Ein heftiger Husten erschütterte die kleine, dürre Gestalt! Keyserlingk reichte ihm den auf dem Nachttisch bereit stehenden Labetrunk und setzte sich wieder.