Fossano sah es. Aber er sah auch, daß es nicht mehr lange so gehen durfte! Denn sonst wäre sie auch so für die Kunst verloren! — Sonst würde ihr eines Tages klar werden, daß ihre Kunst eben die Kunst der höchsten Sinnenlust und also verwerflich wäre! Und eine Heilige zu züchten, lag ihrem Lehrmeister ganz fern!

Eines Tages holte er sie aus dem Dom zur Tanzstunde ab. Er fand sie unter der Kuppel wie das erstemal, verzückt in den offenen Himmel Correggios schauend.

»Weißt du noch, Baberina, wie du mir das erstemal, als wir uns hier trafen, davonliefst?« Sie nickte.

»Hinauf zu wollen und hier unten bleiben zu müssen — — das ist der Tanz! So sagte ich dir damals — und versprach, dich durch die Kunst damit zu versöhnen! Ich wollte dir die Welt in ihrer ganzen Schönheit zeigen und sie dir erringen helfen! Weißt du noch?«

Sie nickte wieder, ohne ihren Blick von ihm zu wenden.

»Jetzt ist's Zeit für mich, mein Versprechen zu halten! Jetzt ist dein Wille hinauf stark genug, um nicht im Rausch des Lebens verlorenzugehen! — Jetzt wirst du dich mit der Welt aussöhnen, in der du doch leben mußt
— sie in Besitz nehmen und über sie gebieten!«

»Ich versteh nicht!«

»Du bist eben noch blind! Ich will dich sehend machen! Was siehst du da oben? — Die Befreiung — nicht wahr?«

»Ja.«

»Aber auch die Gefangenschaft ist da! Und die siehst du nicht.«