»Du hast wohl Gespenster gesehen!« sagte der König lächelnd. »Sonst pflegst du deine Augen nur zu benutzen, wenn schöne Weiber im Fahrwasser sind! Sollten wohl die Nixen eine Invasion gemacht haben?!«

»Das sah mehr nach Heiducken aus!« sagte Keyserlingk eifrig.

»Wenn's nur keine Russen waren, wie es Jordan geträumt hat!« lachte der König. »Sei ruhig, Jordan — nicht die Russen — ich selbst habe da ein bißchen geplündert! Nicht, weil ich's nötig hätte — nur damit du wahr träumst! Denn — auf die Plünderung kam's dir bei dem Traum wohl an!«

Und er erzählte den Freunden, wie er all die silbernen Tischplatten, Kandelaber und anderes Gerät, auch den großen silbernen Musikantenchor aus dem Rittersaal, den sein Großvater, der erste König von Preußen, hatte anfertigen lassen, nach der Münze schaffen ließ, um die Schätze in harte Taler umzuprägen.

»Nicht aus Zwang der Not«, sagte er nochmals eilig, als er die erschrockene Miene Jordans sah. »Wir haben Geld genug, den Krieg weiterzuführen. Sechs Millionen Taler haben wir dem Schatz entnommen, anderthalb Millionen haben die Stände hergegeben! Wir benutzen nur die Gelegenheit, den alten geschmacklosen Plunder im Schlosse loszuwerden und nutzbringend anzulegen. Wir verwandeln ihn in Soldaten, Pulver und Blei, die uns in den Stand setzen, Viktorien zu gewinnen! Nachher lassen wir ihn wieder auferstehen — aber in veredelter, künstlerisch wertvollerer Form! Die Künstler kriegen zu tun, und wir haben den Gewinn! Jordan aber, dessen Traum von der Plünderung des Schlosses uns auf den Gedanken brachte, hat die Verantwortung für den Schaden — wenn's ein Schaden sein sollte!«

Er lachte kurz.

»Ich werde mich in acht nehmen«, sagte Jordan, »Eurer Majestät nochmals meine Träume mitzuteilen! Reliquien sind Heiligtümer —«

»So viel Wert haben sie nimmermehr wie das Blut eines einzigen meiner Grenadiere, das auch für die Sache fließen muß! — — Sag einmal, Jordan, du Allerweltsbesserwisser — was hältst du von den Tanzmeisters?« fragte er dann, plötzlich auf ein anderes Gebiet überspringend.

»Eure Majestät wollen gnädigst den Grafen Keyserlingk darüber interpellieren! Er versteht sich auf das Ballett besser als ich!«