»Sicherlich!« lachte Friedrich. »Auch ich traue mir einiges Urteil auf dem Gebiet Terpsichores zu. Nun fragte ich aber nicht wegen des Tanzes! Ich möchte nur wissen, was du von denen Tanzmeisters — als Politikern hältst!«

»Eure Majestät belieben zu scherzen!«

»Auch im Scherz suchen wir den Ernst! Diplomaten sind oft gute Tänzer, aber zu weiter nichts zu gebrauchen! Warum sollte denn nicht ebensogut ein Tanzmeister Pirouetten in der Diplomatie machen können? — Da kam uns jedenfalls neulich einer herangehüpft mit einer guten Idee, die unserer Politik nützlich werden konnte! Wir griffen sie auf! Wir nahmen die Invitation zum Tanz an — wir streckten die Hand aus — da macht der Teufelskerl ein Salto mortale und läßt uns die Tour solo beendigen!«

»Wollen Eure Majestät die Gnade haben, zu erklären, um was der Tanz ging?«

»Wenn wir mittanzen, geht's immer um die Krone, Jordan!«

»Um die — —?«

»Um die Kaiserkrone, mon ami! Um eine andere wird hier im Lande nicht getanzt! Die will man jetzt wieder dem Hause Österreich zu tanzen! Wir wollen es aber nicht! Wir sehen sie lieber auf dem Haupte des Kurfürsten von Sachsen — obwohl er, als König von Polen, eigentlich nicht in Frage käme! Rußland teilt unseren Wunsch und bietet dem Grafen Brühl ansehnliche Summen, um ihn dazu zu bewegen, die Kandidatur Augusts aufzustellen! Österreich, England e tutti quanti haben ihm aber schon erhebliche Summen für das Gegenteil bezahlt! Und Brühl hat also das Angebot Rußlands zu dem Versuch benutzt — England mehr Geld abzupressen!«

»Abscheulich!«

»Was willst du! Ohne Bestechung wird in der Politik nichts erreicht! Brühl hat noble Passionen — teure Passionen! Er verkauft aber auch seinen erlauchten Herrn nur zu den höchsten Preisen! Seine Briefe in dieser Sache an Carteret kannten wir dem Inhalt nach! Wir brauchten aber die Originale, um sie in Petersburg vorlegen zu lassen und so das Doppelspiel Brühls aufzudecken. Können wir das, dann wird sich Rußland ruhig verhalten, wenn wir nicht ganz so sanft mit Sachsen umspringen!« »Und die Originale?« fragte Keyserlingk.

»Die wurden unserem braven Klinggräff von einem ehemaligen Tänzer, Chevalier Fossano, angeboten, dem sie — da er auch Spielbankhalter war — als Pfand für eine Spielschuld einer der Kreaturen Charterets in die Hand gegeben waren. Unser braver Klinggräff aber griff nicht gleich zu! Der Preis war hoch — er glaubte erst unsere Erlaubnis einholen zu müssen! Und inzwischen tanzte der Ballettmeister mit seinem interessanten Raub in die weite Welt hinaus! So wenig Wagemut haben unsere Diplomaten! Sie sind unfähig oder ängstlich, hüben wie drüben! Wir müssen alles selbst tun! Auch im Felde! Unsere besten Generale sind gefallen, oder sie kehren uns schmollend den Rücken!«