»Im gewissen Sinne — ja — wenn Eure Majestät mehr als den bloßen Dienst von ihr sehen wollen!«
»Die bloße künstlerische Anregung genügt da also nicht?«
»Vielleicht — wenn sie richtig gegeben wird! Sie ist vor allem ein Weib — da liegt der Schlüssel zu ihrer Kunst! Sie ist nicht mehr jung, sie hat das Leben schon ausgekostet! Sie ist vor allem als Künstlerin nicht mehr jung! Ihr Ehrgeiz hat alle gewünschte Befriedigung gehabt, alle Triumphe gefeiert! Die Kunst allein gibt ihr nicht mehr den nötigen Reiz, um ihre Seele in Schwung zu versetzen! Ihr Ehrgeiz richtet sich auf das Leben selbst, um da neue Nahrung zu finden! Und da das Leben sie auf eine so hohe Stufe gestellt hat — — —«
Friedrich begann zu verstehen. Er blickte Jordan scharf an.
»Du hörst: wir haben sie auf die Probe gestellt! Wir sind aber nicht Ludwig von Frankreich! Wir werden also dem Ehrgeiz der Damens, die auch nach unserer Macht schielen, nur wenig Befriedigung bescheren! Unser Tun ist unser Tun! Da teilen wir mit niemand. Uns kann sie nichts als das Amüsement bieten! Da aber verlangen wir alles und echtes — auch wenn es sich nur um eine künstlerische Leistung handelt! Sie hat das, was wir von ihr wollen! Und sie soll es hergeben — — wir zwingen sie noch! Auch die Schlacht gewinnen wir!«
»Wie wollen Eure Majestät das anstellen?«
»Frage mich, wie ich die Schlachten, die ich noch mit Österreich auszukämpfen habe, gewinnen werde! Ich weiß, daß ich sie gewinne! Wann, wo und wie, das ist Sache des Augenblicks! Ich lasse die Gelegenheit an mich herankommen und benutze sie! Enfin! Gute Nacht, Jordan! Ruhe dich aus! Morgen sehe ich noch nach dir!«
Er nahm Keyserlingk unter den Arm und ging mit ihm zu Fuß nach der Oper, von wo er, nachdem er sich gezeigt hatte, unbemerkt fortgegangen war, um seinen kranken Freund zu besuchen.
In seinem kleinen Salon hinter der Proszeniumsloge angekommen, legte er Domino und Maske an. Keyserlingk folgte dem Beispiel, und sie mischten sich unter die Schar der Tanzenden, die das Parkett und die Szene füllten.
Das Menuett hatte eben begonnen. In feierlich graziösem Reigen wogte die Menge hin und her.