Auf einer Erhöhung stand eine glänzende Gesellschaft und sah sich das Treiben an. Eine Menge von eleganten Masken umdrängte eine reich kostümierte, mit kostbaren Brillanten geschmückte Hirtin, in der unschwer die gefeierte Königin des Balles, die Barberina, zu erkennen war.

Friedrich, von Keyserlingk begleitet, näherte sich der Gruppe. Da trat aus der Menge eine in einen schwarzen Domino gehüllte Gestalt vor und richtete in reinstem Italienisch einige Worte an Barberina. Sie stutzte, blickte ihn scharf an, zögerte einen Augenblick, reichte ihm dann aber die Hand und trat zum Menuett mit ihm an. Die Menge machte Platz und hielt im Tanzen inne, um Barberina zuzusehen, denn ein jeder erkannte sie. Die kleine Halbmaske verbarg nur Stirn und Augen.

Noch niemals hatte Friedrich sie so tanzen sehen. Ein Feuer war auf einmal über sie gekommen, ein Schwung der Linien, eine Poesie des Ausdrucks! Der halboffene Mund atmete lauter Hingabe — sie schien von einem fremden Willen getrieben, von dem sie die Bewegung empfing! Nicht auf dem Maskenball in der Oper tanzte sie — fern, in einer anderen Welt, die ihre Phantasie erschlossen, schwebte sie — eine Elfe, ein Wesen aus Mondschein und Nebel, flatterte sie über feuchtgrüne Wiesen hin — leicht, luftig, kaum noch imstande, mit dem Druck ihres Fußes einen Grashalm zu biegen!

»So ist's recht, Psyche!« sagte die Maske plötzlich mitten im Tanze und lachte kurz auf. »Nun laß noch den letzten Schleier fallen!«

Mit einem Ruck blieb sie stehen und griff sich keuchend an die Brust. Dann, schnell wie der Blitz, streckte sie die Hand aus und versuchte ihrem Partner die Maske vom Gesicht zu reißen. Er aber war schneller als sie, er entrann dem Griff und verschwand schnell in der Menge, die sie jetzt aufgeregt umwogte.

Friedrich aber verlor ihn nicht aus den Augen.

»Wir wollen uns jenen Zauberer näher ansehen!« sagte er und zeigte ihn Keyserlingk. »Nimm du ihn fest, aber möglichst unbemerkt, und bring ihn in unsere Loge!«

Keyserlingk winkte einigen maskierten Dienern, die dem König in respektvoller Ferne folgten, drang, von ihnen begleitet, zu dem Unbekannten vor, der sich jetzt unbemerkt glaubte und an der Brüstung einer Loge lehnte. Sie nahmen ihn, wie zum Scherz, in ihre Mitte und drängten ihn nach der Tür der königlichen Loge, die aufging und sich dann sogleich hinter ihnen schloß.

Friedrich wollte zu Barberina — aber er kam nicht rasch genug durch die aufgeregte Menge. Ehe er bis zu ihr gelangte, sah er, wie sie den Arm einer Maske nahm, in der er unschwer Rothenburg erkannte, und, auf ihn gestützt, den Saal verließ, um sich nach ihrer Garderobe zu begeben.

Er wartete noch die Rückkehr Rothenburgs ab und ließ ihn dann zu sich befehlen.