»Sie blickte den Fremden stechend an. — >Die Stimme kenne ich!< rief sie, >wer sind Sie?< — >Wenn Mademoiselle mir die Ehre eines Tanzes geben wollen, werden Sie's wissen!< lachte er. Kurz entschlossen nahm sie seine Hand. Das Weitere haben Eure Majestät gesehen!«

»Wir werden bald zur Demaskierung blasen lassen«, sagte der König. »Dann wird sich das Geheimnis aufklären. Geh zu ihr, sag ihr das von mir. Und auch, daß ich sie bitten lasse, nach dem Ball mit mir zu soupieren!«

Rothenburg ging, und der König begab sich nach seiner Loge.

Im kleinen Salon erwarteten ihn Keyserlingk und sein Gefangener, immer noch maskiert. Friedrich legte Maske und Domino ab und nahm in dem Sofa Platz.

»Wir haben Sie kommen lassen, um Sie zu bitten, uns aufzuklären«, sagte er, sich an die Maske wendend: »Wir bekomplimentieren Sie übrigens! Sie tanzen ganz ausgezeichnet! Und — noch mehr — Sie verstehen es exzellent, Ihre Partnerin in den Rausch der Rhythmen zu versetzen, ohne den der Tanz kein Tanz ist!«

»Eure Majestät überschätzen meine Wenigkeit! Die Signorina Barberina ist eine der ersten Künstlerinnen unserer Zeit!«

»Ohne Zweifel! Sie hat viel Charme, eine unnachahmliche Grazie, viel Kunstfertigkeit — das geben wir zu! Ihr Tanz hat aber etwas Kaltes, Kühles, Überlegenes — in jeder Beziehung vollendet, aber stets ihrem Willen untertan! So eruptiv — so in Ekstase sahen wir sie — seit ihrem ersten Auftreten nicht!«

»Majestät — wenn's so ist, dann muß auch ich selbst annehmen, einigen Einfluß auf sie ausgeübt zu haben! Ich war selbst in Ekstase — war selbst von ihr berauscht!«

»Ich kenne wenige, die das nicht wären«, sagte der König langsam, »aber keinen einzigen, dem es gelungen wäre, sie aus ihrer Reserve herauszuholen! Wie haben Sie das bewirkt?«

»Die Erklärung ist nur bei ihr zu finden! Sie ist eine Frau im vollsten Sinne des Wortes! Und eine Frau — wenn sie wirklich eine ist — öffnet ihre Seele nur dem einen Auserwählten, der von der Natur für sie bestimmt ist!«