»Keyserlingk!« rief die Barberina enttäuscht und blickte zu dem pausbäckigen, lebenslustigen Grafen hinauf, dessen Augen ihr lustig entgegenlachten. »Er war's? — Nicht möglich!«
Und sie wollte sich nicht davon überzeugen lassen, so viel Mühe Rothenburg sich auch gab, als er sie langsam durch das Gedränge führte, um sie nach dem Speisesaal des Königs zu begleiten, wo das Souper sie erwartete.
Friedrich aber war sehr aufgeräumt und gab Keyserlingk den Auftrag, schon am nächsten Tage seinem Freund Jordan zu berichten, die schwerste Schlacht in dem zu eröffnenden Feldzuge wäre bereits halb gewonnen!
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Hohenzollernwetter in Berlin! Strahlender Sonnenschein, kalte, klare Winterluft mit Frostkristallen und Rauhreif über Baumstämmen und Ästen — einer der seltenen herrlichen Wintertage mit klarblauem Himmel und rosig-goldenen Wolken, mit weißem Schnee auf gefrorenem Boden, glitzernden Fensterscheiben und hastendem Hin und Her von aufgeräumten, lustig der Kälte trotzenden, siegesfrohen Menschen, die ihre Freude austobten und vor Begeisterung aufjauchzten, weil sie endlich den schweren Alp los waren, der seit Beginn des nun über ein Jahr dauernden Krieges auf den Gemütern gelastet hatte.
Der Sieg war da! Und heute hielt er seinen feierlichen Einzug in Berlin.
Alles, was Leben und Atem hatte, jung und alt, drängte sich auf den »Linden« zusammen, um den Einzug des Hofes zu sehen und den Siegern von Hohenfriedberg und Soor zuzujubeln.
Pomphaft nahte der Zug in der Mitte der Straße vom Brandenburger Tor her, dessen beide Zollhäuser mit Fahnen und Girlanden von Tannengrün geschmückt waren.
Zuerst die Eskorte — Dragoner in glitzernden Kürassen auf prächtig aufgezäumten Pferden, die, wie heraldische Wappentiere aufgeputzt, stolz einherschritten und ihren heißen Atem mit Kraft in die kalte Luft bliesen, wo er gleich zu weißem Dunst wurde, der sich wollig weich seitwärts ringelte, den ganzen Zug von Rossen und Reitern mit einer einzigen, vorwärts gleitenden Wolke umschloß, aus der nur die Köpfe der Pferde, die bunt gestickten Schabracken und die darauf paradierenden Sieger emportauchten.