Hinter ihnen her die königlichen Karossen, mit Spitzenreitern und Läufern in prachtvollen Livreen — die Pferde mit bunten Troddeln und silberbeschlagenem Geschirr geschmückt —, hinter den von goldenem Schnitzwerk eingefaßten Spiegelscheiben gepuderte, diademgeschmückte Köpfe, am Wagentritt Pagen in großer Gala und auf dem Brett zwischen den hoch geschwungenen Wagenfedern goldbetreßte Lakaien in königlichen Livreen!

Dann ein Wald von mächtig wallenden Fahnen, deren schwere, buntseidene Pracht sich majestätisch im Sonnenschein entfaltete und auf ihren Tüchern und Fahnenbändern, stolz flatternd, die Wappenzeichen der Besiegten zeigten — die Ehrenzeichen der österreichischen und sächsischen Regimenter, im heldenhaften Kampf erbeutet und jetzt als Trophäen vom Sieger in seine Residenz eingebracht.

Und hinter ihnen, zu Pferde, an der Spitze einer glänzenden Schar von Generalen und Obersten, die kleine, jugendlich schlanke Gestalt des Königs in seinem blauen Uniformrock mit den roten Aufschlägen, den Stern auf der Brust, den Dreimaster auf dem hocherhobenen Kopf, die wundervollen, tiefen Augen strahlend vor Siegesglück! Immer wieder mußte er, mit dem Degen salutierend, für die begeisterten Zurufe der Menge danken, die sich in Huldigungen nicht genug tun konnte und ihren jugendlichen Helden stürmisch feierte — ihren »alten Fritzen«, wie sie ihn schon mit dem ihm von seinen Kriegern beigelegten Ehrennamen liebkosend nannten.

Die Menge drängte sich dicht um sein Pferd — allen voran die Straßenjungen, die ihre Mützen in die Luft warfen! »Hoch!« und »Hurra!« und »Vivat, Fritze!« schrien sie und sangen die Melodie mit, die er selbst gemacht hatte — die die voranziehenden Trompeter in die Luft hinausschmetterten, und die fortan, für alle Zeiten, nach der schönsten Viktorie Fritzens benannt, die Preußen zum Siege führen sollte.

Hohenfriedberg — wundervolles Aufjauchzen jugendlichen Draufgängertums — Frühlingssieg altpreußischen Heldentums — unwiderstehliches Aufbäumen unbezwinglichen Kraftbewußtseins — unverwelklicher Ruhmeskranz aufgehender Sonne, in den kurzen Stunden eines herrlichen Hochsommermorgens glorreich errungen! — — Wem schwillt nicht die Brust, wem klopfen die Pulse nicht höher — wer wird nicht wieder jung bei den Gefühlen, die der bloße Klang deines stolzen Namens in der Brust eines jeden Deutschen wachruft! — — Da knüpfte sich für immer der Sieg an Preußens Fahnen — da weihte der Herr der Schlachten Preußens Schwert zum steten unbeugsamen Kampf ums Dasein — da stählte sich die Manneskraft zum Machtbewußtsein — da keimte zuerst die Ahnung von der großen Aufgabe Preußens, zu einigen, zu reinigen, zu befreien — da hob sich zuerst das Banner im vollen Siegesglanz, das einst das ganze Deutschtum zum Siege führen sollte!

In Nacht und Nebel, in Demütigung und Niederlagen, in tiefster Bedrängnis fremden Knechttums — wo auch die Schicksalsschläge am schwersten fielen — tief im innersten Herzenswinkel bliebst du als unentreißbarer Besitz — als kostbares Juwel! Und wo die Töne deiner Jubelfanfaren schmetterten, da wallten wieder Siegesfahnen in den Lüften, und ihnen voran zog wieder der jugendliche Held, vorwärts zum Kampf, und der Wille zum Sieg war wieder wach, der Furor teutonischer Kraft unbezwingbar am Werke!

»Ich will meine Machtstellung behaupten oder untergehen und alles, selbst den Namen Preußen, mit ins Grab nehmen! — — Entweder ich werde keinen einzigen Mann nach Berlin zurückführen, oder wir werden Sieger sein!«

So schreibt nur, wer den festen Glauben an sein Glück und die Schwungkraft seines Genies hat, die Überlegenheit seiner Führung kennt und den unbeugsamen Mut seiner Krieger!

Der Sieg gab ihm recht.

Und als er da am schönen Novembertag an der Spitze seiner Helden in seines Reiches Hauptstadt einzog, wo er auch — »wie sich's schickte« — hatte »tedeumieren« lassen — da mochten seine Gedanken wieder zurückeilen zu dem schönen Junimorgen am Striegauer Wasser, wo der Feind, trotz dem glänzenden Patrouillenritt Zietens und der dadurch bewirkten Wiedervereinigung des Heeres des Markgrafen Karl mit der Hauptarmee, ihn im Rückzug auf Breslau wähnte — wo die feindlichen Führer ruhig auf dem Galgenberge bei Hohenfriedberg tafelten und Fritz wie ein losbrechendes Gewitter auf sie niedersauste, sie mit einer noch in der Entwicklung begriffenen Schlachtordnung angriff — erst den rechten Flügel, dann das Zentrum, dann trotz schwierigen Flußübergängen im Kampfe auch den linken Flügel warf — wo der in den Annalen des Krieges einzig dastehende Ritt der Bayreuther Dragoner unter Keßler Dutzende von Bataillonen wie eine Windsbraut vor sich herfegte, zusammenhieb und jene stolzen Siegeszeichen erbeutete, die ihm jetzt unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches voranflatterten bis ans Zeughaus, wo die Ruhmeszeichen von Fehrbellin auf sie warteten!