»Messieurs!« sagte er laut. »Wir feiern hier Viktorien und gebärden uns, als wäre das Spiel schon gewonnen und weiter nichts zu tun, als die Friedenstraktate auszutauschen! Das ist ein Irrtum! Den Hauptschlag müssen wir noch führen, schnell und mit Wucht, sollen sich unsere Viktorien nicht in Niederlagen verwandeln! — Wir bitten Euer Liebden«, fuhr er fort, sich an den Fürsten von Anhalt-Dessau wendend, »uns sofort ins Schloß zu folgen, um mit uns und unserem Staatsminister die zu ergreifenden Maßnahmen zu beraten! Messieurs —!«

Und er lüftete den Hut und begab sich, von der nächsten Umgebung gefolgt, nach dem Schloß.

Die Generale und Würdenträger sahen sich an! — Die Mitteilungen, die der König vom schwedischen Gesandten empfangen hatte, waren also ernstester Natur! — Und äußerst dringlich — da er ganz gegen alle Gewohnheit eine Beratung zusammenberief! Er, der seine Pläne sonst stets selbst in größter Verschlossenheit auszuarbeiten und sie niemand anzuvertrauen pflegte, ehe die Ausführung heranreifte!

Im Schlosse ließ Friedrich noch vor der Tafel die beiden Herren und auch den Generaladjutanten Winterfeldt in sein Arbeitszimmer bitten.

Zuerst trat der »Alte Dessauer« ein. Beim ersten Blick auf die alte, knorrige Kerngestalt sah Friedrich, was ihm bevorstand, und bereute fast, ihn gerufen zu haben.

Der eigenwilligste Mensch in der ganzen preußischen Armee — ein Querkopf und Rechthaber, auf langjährige Diensterfahrung pochend, auf alten, wohlerworbenen Kriegsruhm und unvergängliche Verdienste um die preußische Armee gestützt, neidisch auf die alles überstrahlende Glorie des Jüngeren und gekränkt durch — wie er fand — unverdiente Zurücksetzung!

Beim Vater des Königs von allmächtigem Einfluß, von Friedrich aber sofort beim Regierungsantritt auf den rein militärischen Dienst beschränkt und auch da kaltgestellt — das waren Erfahrungen, die seines Erachtens in keinem Verhältnis zu seinen langen und treuen Diensten standen und die den Groll immer noch wachhielten! Der Erste Schlesische Krieg wurde unternommen, ohne ihn um Rat zu fragen oder seine Erfahrung in Anspruch zu nehmen! Der zweite ebenso! Und erst, als es schief ging, wurde er berufen, um alles wieder einzurenken! Und jetzt wollte man gar seinen so lange verschmähten Rat haben! — Auf den Augenblick hatte er gewartet!

Er nahm stillschweigend den ihm gebotenen Sessel ein und wartete ohne ein Zeichen der Neugier ab, welche Mitteilungen der König ihm machen würde.

»Wir hätten Euer Liebden gern vergönnt, nach dem langen Feldzug Dero otium in Dessau zu pflegen! Noch vor Weihnachten werden wir aber Euer Durchlaucht Dienste wiederum in Anspruch nehmen müssen! Wir haben heute überraschend schlimme Kunde bekommen!«