»Wir glaubten unseren Feldmarschall — unseren lieben Vetter, des Fürsten von Anhalt-Dessau Durchlaucht, vor uns zu haben, zu ernster Beratung mit uns befohlen, und gekommen, um von uns ein Kommando zu empfangen! Euer Liebden aber scheinen zu glauben in die Zeiten des Tabakskollegiums zurückversetzt zu sein!«

Der Verweis wirkte. Der alte Herr wurde glutrot und zupfte heftig an seinem Schnurrbart.

In dem Augenblick trat Podewils ein, entnahm seiner Mappe einige Briefe und reichte sie dem König.

Der König entfaltete sie und gab sie dem Fürsten von Anhalt.

»Da haben Euer Liebden die Beweise! Aus den Briefen geht hervor, daß General Grünne bereits nach zwei Tagen mit seinem Korps zu Gera eintrifft, um bei Leipzig zu den Sachsen zu stoßen. Auch, daß die Sachsen bereits in der Lausitz Magazine errichten für die Armee des Prinzen von Lothringen. Alles, während man mit uns verhandelt, damit wir möglichst lange untätig bleiben!«

Der Fürst von Anhalt legte die Briefe wieder hin.

»Ich halte trotz dieser Briefe auch jetzt noch das Ganze nur für einen Schreckschuß, um die Verhandlungen günstig zu beeinflussen und von Eurer Majestät bessere Bedingungen zu erlangen! Man soll nicht leichtgläubig alles für bare Münze nehmen. Brühl fühlt sich beleidigt durch die scharfe Abfuhr, die ihm in dem Manifest Eurer Majestät zuteil wurde! Aber es wäre doch widernatürlich, wenn er — ein geborener Sachse — bloß aus Rachsucht und Übermut vier Armeen in Sachsen einziehen ließe und so das Land dem Untergang preisgäbe!«

»Podewils!« rief der König.

»Ich gestatte mir ganz gehorsamst, der Ansicht des Fürsten von Anhalt Durchlaucht beizupflichten!« beeilte sich Podewils einzuwerfen. »Graf Brühl ist nicht der Mann, ein so keckes Unternehmen ins Werk zu setzen!«