»Podewils denkt, alle anderen Minister müssen ebenso ängstlich sein wie er!« rief Friedrich ärgerlich. »Wir aber entnehmen dieser schönen Beratung die Lehre, uns nie wieder mit einer derartigen, gänzlich überflüssigen Aktion zu behelligen! Wir wollten Eure Ansichten hören über die Maßnahmen, die jetzt so schnell wie möglich ergriffen werden sollen, um dem Unheil zuvorzukommen! Und müssen uns von langen und unnützen Erörterungen aufhalten lassen, ob die Tatsachen, die wir bereits als solche anerkannt haben, auch wirklich wahr sind! Das war unser Wunsch nicht! Wir schließen solche Beratung auf der Stelle und verordnen und befehlen: Er, Podewils, soll sofort Depeschen an die auswärtigen Höfe abfertigen, worinnen die Anschläge Sachsens und unser Entschluß, denen zuvorzukommen, mitgeteilt werden. Des Fürsten von Anhalt-Dessau Durchlaucht befehlen wir, das Kommando über unser bei Halle zusammengezogenes Heer zu übernehmen! Noch heute reisen Eure Durchlaucht ab, um für dessen Unterhalt Sorge zu tragen und sofort gegen Leipzig und Torgau zu operieren. Winterfeldt kehrt unverzüglich zur schlesischen Armee zurück, die sich an der Grenze der Lausitz zusammenzieht und bereit hält! — Wir selbst nehmen dort den Oberbefehl! Hat Er noch etwas da?« wandte er sich an Podewils, der noch in seiner Mappe kramte.
»Eine Mitteilung des russischen Gesandten: die Kaiserin, seine erhabene Souveränin, ließe die Hoffnung aussprechen, Eure Majestät wollten davon Abstand nehmen, Sachsen anzugreifen — weil ihre Allianz mit dem König von Polen sie verpflichte, für diesen Fall Hilfstruppen zu senden!«
»Das soll sie ruhig tun!« rief Friedrich. »Ihrer Majestät ist zu erwidern, wir wollten gern mit allen Nachbarn in Frieden leben! Wenn wir aber angegriffen werden, wie jetzt, soll uns keine Macht auf Erden — auch nicht die ihrer russischen Majestät — hindern, uns zu verteidigen und unsere Feinde zusammenzuhauen! Messieurs, Ihr habt Eure Ordres!«
Er lüftete seinen Hut. Der Fürst von Anhalt und der General von Winterfeldt salutierten militärisch und gingen. Podewils sammelte seine Papiere und folgte ihnen.
Friedrich rief den Kammerdiener, fragte, ob der Intendant der Oper draußen warte, und befahl, ihn hereinzuführen.
»Wir haben«, rief er, als der Baron Sweerts eintrat, »heute eine Surprise für die Barberina bereit — Er muß uns damit helfen! — Sie ist als Galathée langweilig! Wir haben daher einen neuen Partner für sie kommen lassen, der den Lany als Pygmalion remplacieren soll — den berühmten italienischen Tänzer Fossano! Er ist heute aus Dresden angekommen und befindet sich im Hause des schwedischen Gesandten Rudenskjöld, bereit, uns zu Diensten zu sein. Nebenbei hat er den Auftrag, uns zu ermorden«, setzte er geheimnisvoll flüsternd hinzu. »Erschrecke Er nicht und verrate er dies große Geheimnis niemand — am allerwenigsten der Polizei, damit uns wirklich kein Unheil passiert! — Stelle Er nur — Scherzes halber — rechts und links von der Bühne je einen sergeant d'armes hin! Die sollen auf ihn achtgeben! Aber keinen Ton davon verraten, daß er tanzen wird, lieber Sweerts! — Lany darf, bei Strafe meiner Ungnade, nichts sagen! — Der neue Tänzer wird ohne Aufhebens ins Theater geführt und in seiner Rolle instruiert! — Barberina vor allem darf nichts ahnen! Höre Er — bei seinem Kopf — ehe sie als Statue dasteht, darf sie von dem Tausch nichts wissen! Der Coup darf nicht mißlingen! Wir freuen uns schon auf ihr Erwachen! Gehe Er, lieber Sweerts, besorge Er mir das prompt, und Er kann auf meine Gewogenheit rechnen!«
Der Intendant ging, und der König befahl, das Diner servieren zu lassen.
»Ich zwinge die Canaille noch!« sagte er halblaut auf dem Wege nach dem Speisesaal. »Ich reiße ihr durch den Coup die Maske vom Gesicht! — Ihre Seele will ich nackt und unverhüllt vor mir sehen! Ich will wissen, wer sie ist! Dann vielleicht revidieren wir noch unsere Ansichten über die Damens!«