Auf dem Postament in der Werkstatt Pygmalions erhob sich sein Meisterwerk, seine Galathée, im vollen Glanz jugendlicher Schönheit — in einer Anmut der Linien und einer Weichheit der Formengebung, wie sie in der Kunst nur ganz selten und im Leben kaum jemals — außer dieses eine Mal — gesehen wurde!

Bläulichgrünes Licht gab dem Körper die Färbung des Steins.

Pygmalion stand in seliger Verzückung vor seinem vollendeten Werk. Mit aller Inbrunst der Liebe hatte er daran geschaffen, seinen ganzen Drang, seine Sehnsucht nach Erhörung mitschaffen lassen, in dem holden Wahn, daß es ihm gelingen würde, der erschaffenen Gestalt noch den belebenden Funken einzuhauchen! Er zündet Räucherwerk an, opfert der Göttin Venus Rosen, fleht sie an, ihm Erhörung zu schenken und ein Wunder geschehen zu lassen.

Und das Wunder vollzieht sich. Auf rosigen Wolken schwebt die Göttin der Liebe herab. Auf ein Zeichen ihrer Hand erhebt Amor die Fackel, schwingt sie über die Statue — der ganze Raum strahlt in goldig warmem Licht, das die steinerne Gestalt mit der Glut des Lebens überflutet — sie erhebt die Arme, öffnet die Augen, erblickt ihren Schöpfer — zieht, mechanisch, die herabgeglittene Hülle um den entblößten Leib, gleitet vom Postament und steht vor ihm, die Arme halb geöffnet, die Blicke erstaunt, fragend — das Lächeln voll der süßesten Verheißung, bereit, in seine Arme zu sinken, um für das empfangene Leben zu danken — —

So weit entwickelte sich das Drama folgerichtig wie immer! Da geschah das Unerwartete — das was Friedrich herbeiführen wollte — und versetzte den ganzen Zuschauerraum in die größte Aufregung!

Die Barberina hatte, wie immer, ihre Rolle mit dem äußersten Raffinement der Bewegung — aber ohne jede innere Teilnahme ausgeführt. Sie haßte diese Aufgabe! Sie hätte sie mit der ganzen Glut ihrer Seele lösen können! Aber ihr ganzes Empfinden lehnte sich dagegen auf, auf Befehl eines Mannes, und sei's eines Königs, Empfindungen darzustellen, die sie gern und freiwillig gegeben hätte, wenn er ihr mit Gleichem entgegengekommen wäre — statt sie, wie stets, durch eine fortgesetzte Kette von Demütigungen auf ein niedrigeres, ihm untergeordnetes Niveau hinabzudrücken!

Dazu kam ein Gegenspieler, der ihr widerwärtig war — trotz allem Glanz des Auftretens und aller Virtuosität des Könnens! Eine ganz äußerliche, eitle, von ihrer eigenen Vollkommenheit überaus eingenommene Natur — ihr auch als Mann zuwider!

Ekel und Abscheu war alles, was sie empfand, als sie auf dem Postament stand und er um sie herumhantierte, ihr seine Verliebtheit mit leeren Gesten und ausgedörrter Phantasie vormimte! Sie war froh, solange sie noch die Lider geschlossen halten konnte, denn sie wußte — sobald sie sie auftäte, um ihn anzublicken, würde in ihr nichts mitsprechen! Ebenso leer und nichtssagend wie in ihm würde es in ihrem Innern aussehen, weil er ihr nicht die Wärme entgegenbrachte, die ihre Seele zum Mitschwingen geschwungen hätte!

Ein ebenso leeres Theater wie er würde sie denn auch machen und die Bestätigung des Mißlingens den kalten Blicken aus der königlichen Loge entnehmen können.

Heute, wie immer, empfand sie es so; sie tat auf das Stichwort ihre Augen auf, ihre Blicke irrten, suchend, ihrem Schöpfer entgegen und fanden statt Lany — Fossano!