In seiner Loge saß Friedrich, in seinen Sessel zurückgelehnt, die Hand vor den Augen.

Er hatte alles gesehen, alles miterlebt — in den kurzen Minuten ein ganzes Menschenschicksal vor sich ablaufen sehen, und er wußte jetzt Bescheid!

Ein Weib nur wie die anderen — eine mehr, aber nicht das Weib! Sie hatte das Zeug dazu, wie wenige von all denen, die er gekannt hatte! Und weil sie es voll und ganz hatte — deshalb war sie ihm voll und ganz verlorengegangen! Denn der erste, der sich ihr genaht und sie mit dem Leben gerufen hatte, war der Unrechte gewesen — der nicht für sie Bestimmte — aber von der gleich genialen Kraft, sie voll in Besitz zu nehmen! Und deshalb konnte sie nie einem anderen das sein, was sie ihm sonst hätte werden können — auch nicht dem Rechten — sei er Bettler oder König!

Er — der König — hatte sie heute zum vollen Bewußtsein ihres verlorenen Paradieses geweckt! Er hatte ihren Schöpfungsakt da fortgesetzt, wo sein Vorgänger, Fossano, aufgehört hatte! Der Haß, der gegen jenen so jäh zum Ausbruch gekommen war, würde beim Erwachen lebendig bleiben und sich gegen ihn richten, der ihr die letzte Hülle von der Seele gerissen hatte!

»Sie wird sich ärgern, den verhaßten Kerl vor sich zu sehen!« hatte er gedacht, als er ins Theater fuhr. »Taugt sie etwas, dann wird sie wohl fühlen, daß der Streich von mir kommt und dem Scherz mit gutem Humor begegnen! Sonst taugt sie eben nichts — und kann mir nichts sein!«

Sie taugte eben nichts! Das wußte er jetzt! Ihre Leidenschaft hatte ihn in ihrem gewaltsamen Aufbrausen frappiert! Aber etwas anderes als Haß würde sie ihm nicht entgegenbringen können!

Er ging in den kleinen Salon hinaus. Da erwartete ihn der Intendant, Baron Sweerts, um, falls es erwünscht wäre, die nötigen Aufklärungen zu geben.

Friedrich sah ihn kalt an.

»Die Geschichte haben wir jetzt satt! Es gelingt uns nicht, aus dieser Pantomime das herauszubekommen, was wir gewollt haben! Jedesmal kommt etwas anderes heraus! Die Dame fühlt ihre Ohnmacht der Aufgabe gegenüber! Das ist ihr auf die Nieren gegangen! Sie hat sich heute gar zu sehr alteriert! Wir entbinden sie davon, weiter in der Rolle aufzutreten, und befehlen, den Pygmalion vom Spielplan abzusetzen! — Apropos — Knobelsdorff braucht einige Panneaus für unser neues Haus! Schaffe Er den ganzen Appareil in das Atelier Pesnes! Der kann uns die Geschichte malen! Die Dame soll ihm dafür posieren! Aufzutreten braucht sie dann nicht mehr als Galathée!«

Der Intendant verbeugte sich und fragte den König, ob er den fremden Tänzer zu sehen wünsche?