»Laß Er ihn kommen!«
Fossano wurde vorgelassen. Er war noch blaß von der Aufregung und außerstande zu sprechen, aber auch unfähig, sich die gebührende Selbstbeherrschung aufzuerlegen. Er begriff die Situation voll und ganz, und daß er nur das Werkzeug in der Hand eines größeren Meisters gewesen war. Sein Selbstgefühl bäumte sich auf; aus seinen Blicken loderte etwas wie Wut.
Friedrich sah es, schenkte dem aber keine Beachtung. Er wußte aber jetzt auch, woran er mit ihm — in jeder Beziehung war, und was zu geschehen hatte.
»Mein Kompliment, monsieur — Er hat seine Sache gut gemacht — fast zu gut! Die Galathées sind zerbrechliche Dinger und können's nicht vertragen, wenn das Leben zu ungestüm auf sie einstürmt! Da tut eine behutsame Hand not! Er hat aber einen schönen Eifer gezeigt! Auch in der anderen Aufgabe, die wir Ihm in Dresden gaben! Aber auch da viel zu gut! Wir befahlen Ihm, sich da als unser Feind aufzuspielen! — Sein Spiel hat andere verführt, hat aber — wie mir scheint — auch Ihn selbst zu sehr hingerissen! Da kann aus dem Spiel nur zu leicht Ernst werden! Und das wäre gefährlich — für Ihn! Wir wollen Ihn davor bewahren, wollen Ihn davor schützen — uns zu nahe zu kommen! Geh Er — warte Er draußen unsere weiteren Befehle ab!« Fossano verbeugte sich und ging.
»Der Mann ist sofort auf acht Tage nach Spandau zu senden!« sagte Friedrich dann zum Intendanten. »Direkt von der Oper aus! Wenn wir im Felde sind, zahle Er ihm dreihundert Taler aus und schicke ihn unter sicherer Bewachung über die Grenze!«
»Zu Befehl!«
»Wer war's, der die Dame Barberina von der Bühne trug?«
»Der Sohn des Großkanzlers, der Geheime Rat Cocceji!«
»Dem Geheimen Rat ist zu bedeuten, daß er sich in die Angelegenheiten unserer Oper nicht zu melieren hat! Auf unserer Bühne haben nur unsere Komödianten zu agieren, unsere Geheimen Räte nicht! — Gute Nacht, lieber Sweerts! Er braucht uns nicht an den Wagen zu geleiten!«