»Fühltest du nicht, daß du nackt warst?«

»Nein«, sagte sie kopfschüttelnd und blickte ihn fragend an. Wie kam er nur darauf?

»Das mußt du aber — darauf zielt der ganze Tanz —— das hast du auch ausgezeichnet angedeutet und vorbereitet. Du mußt dich nackt fühlen!«

»Aber ich bin's ja nicht!«

Er lachte auf.

»Das ist es eben. Du mußt dann jenen Tanz — nackt vor mir tanzen!«

Sie wich zurück und erhob die Hände zur Abwehr.

»Was sträubst du dich? Was ist denn dabei? Brauchst du dich denn zu schämen, dich so zu zeigen, wie die Natur dich geschaffen hat? Du am allerwenigsten! Jetzt darfst du es — jetzt mußt du es. Du bist jetzt in deiner Kunst so weit, daß du den letzten Schleier fallen lassen kannst! — Wenn du weiter willst, wenn du nicht stehenbleiben willst, mußt du es! — Tu's, Baberina, entschleiere dich mir — mir allein sollst du jenen Tanz so tanzen, wie er wirklich ist — den anderen nicht — auf der Bühne nicht! Willst du ihn aber auf der Bühne richtig und mit voller Wirkung geben, dann mußt du erst jenes Gefühl: nackt — entblößt — dazustehen, wirklich erlebt haben! Dann erst hast du es erfaßt und kannst es geben, auch ohne die letzte Hülle fallen zu lassen und dich vor den Augen der schaulustigen Menge zur Schau zu stellen! Nur so will ich es — nur das will ich von dir!«

Sie stand in höchster Aufregung da, die Hände vor den Augen, und atmete heftig.

»Ich kann's nicht! Ich will nicht! Nie und nimmer!«