Jetzt lag als Abschluß der jahrelangen Kampagne der Brief Barberinas da vor dem König auf dem Tische und teilte ihm die Tatsache mit, sowie, daß sein eifrigster und längster Feldzug auf dem amourösen Gebiet mit einer Niederlage geendigt hatte.
»Wird nicht beantwortet!« sagte er halblaut und warf den Brief hin. »Unterfängt sie sich, gegen meinen Willen zu tun, so wird eben der Generalfiskal scharf mit ihr verfahren!«
Er klingelte und befahl den Hoftresorier vorzulassen.
Fredersdorff kam. Der König übergab ihm den Brief an Voltaire.
»Sofort zu bestellen!« befahl er. »Du sollst ihm einen Wechsel über viertausend Taler senden! Der Herr de Voltaire tritt jetzo in unsere Dienste! Du sollst ihm aus unserer Privatschatulle ein Jahresgehalt von fünftausend Talern bereit halten! Er wird im Schlosse wohnen, freie Tafel, Dienerschaft, Equipage und alles nötige haben! Das Patent als Kammerherr und Ritter des Ordens Pour le mérite nimmst du für ihn in Empfang! Er bekommt die Auszeichnungen erst, wenn er hier ist! — Folge mir in den Garten, da können wir das Weitere besprechen!«
Fredersdorff verbeugte sich schweigend, meldete dann, daß das Gemälde Pesnes, Pygmalion und Galathée darstellend, eingetroffen und im Musikzimmer aufgestellt wäre, um vom König besichtigt zu werden.
Friedrich machte eine ungeduldige Gebärde. Die Darstellung Pesnes der Pygmalionlegende mißfiel ihm ebensosehr wie deren Aufführung in der Oper! Immer wieder hatte er etwas daran auszusetzen gehabt. Immer wieder wanderte das Bild in das Atelier des Meisters zurück, wo es den größten Teil der Zeit verbrachte, die der Liebesroman Barberinas mit dem jungen Cocceji dauerte.
Jetzt war es wieder so weit, vom König besichtigt und dann refüsiert zu werden. Der Brief Barberinas genügte dem König aber für heute.
»Man soll uns mit jener perfiden Kreatur nicht mehr behelligen!« rief er unmutig.
»Befehlen Eure Majestät also, das Bild zu entfernen?«