Friedrich dachte einen Augenblick nach.

»Wegen Pesnes werden wir es wohl — nachher erst ansehen müssen! Er ist ein großer Künstler und hat uns treu gedient! Vor ihre Cochonnerien kann er nicht! — Vorerst wollen wir aber das schöne Frühlingswetter genießen!« Er ließ sich den Krückstock geben — den Hut hatte er stets auf — und, von Fredersdorff gefolgt und von den Windspielen umwedelt, trat er auf die Terrasse hinaus.

Die Hunde schnupperten und kläfften und schienen etwas Ungehöriges zu wittern. Der König gab nicht acht darauf, sondern ging langsam auf der Terrasse auf und ab. Er vertiefte sich schließlich in den von modisch gestutzten Hecken und Bäumen beschatteten Garten und gab seinem getreuen Fredersdorff alle möglichen Verhaltungsmaßregeln wegen der Reise Voltaires und seines Empfanges.

Plötzlich blieb er stehen. An der Biegung des Weges vor ihm tauchte eine weibliche Gestalt auf, eine alte, dicke, auffallend ausgeputzte Matrone, die beim Anblick des Königs ein so tiefes Kompliment machte, daß sie halb in die Erde zu versinken schien.

»Ridicule!« rief Friedrich ungehalten und stieß wiederholt mit dem Krückstock auf die Erde. »Heute passiert es uns schon zum dritten Male! Sooft wir an Voltaire denken oder von ihm reden, muß uns das alte Weib über den Weg laufen! Man frage sie, wer sie ist, und warum sie in unseren Gärten marodiert!«

Fredersdorff ging zu der alten Frau hin und kehrte mit dem Bescheid zurück, es wäre die Mutter Barberinas, die Signora Campanini. Und sie bäte um die Gnade, den König sprechen zu dürfen.

Friedrich konnte die Alte nicht leiden. Sie war ihm widerwärtig, und er hatte sie nie der Ehre einer Ansprache gewürdigt. Jetzt war es ihm recht, an ihr seine Galle auszulassen. Er ging rasch auf sie zu, beachtete ihren Gruß nicht, stieß heftig mit dem Krückstock auf den Boden und rief ihr in ärgerlichem Ton zu:

»Sie hat ihre Tochter schlecht erzogen, Signora! Sie ist eine schlechte Mutter gewesen! Ihre Tochter ist eine ungehorsame und undankbare Kreatur! Unser Generalfiskal wird aber die renitente Canaille schon zur Räson zu bringen wissen!«

Die Alte stammelte eine demütige Bitte, er möge Gnade walten lassen und von rigourösen Maßnahmen Abstand nehmen.

»Was sie gefehlt hat, soll sie büßen!« sagte Friedrich kurz.