»Wenn sie auch das Unglück gehabt hat, Eure Majestät zu erzürnen«, sagte die Alte, die allmählich den Mut wiederfand, »ein strafwürdiges Verbrechen war es nicht, dem Gebot ihres Herzens zu folgen!«

»Ihre Tochter hat kein Herz! Sie ist lauter Koketterie und kalte Berechnung! Bei uns aber sind ihre Manövers mißlungen! Die Ehe mit dem Geheimen Rat Cocceji wird ihr weder Freude noch Ehren bringen — dafür wollen wir sorgen! Unerlaubte Ehen estimieren wir nicht!«

»Die Ehe ist in aller Ordnung geschlossen, Sire!«

»So wird sie auch in aller Ordnung gelöst werden! Wir dulden nicht, daß eine hergelaufene Person die Köpfe der jungen Leute verdreht, sie zu Ungehorsam gegen ihre Eltern verleitet und uns die ersten Familien des Landes prostituieret. Machen Sie sich darauf gefaßt, mitsamt Ihrer sauberen Tochter von unserer Polizei über die Grenze spedieret zu werden, falls Sie sich nicht bescheidet und gutwillig unsere Lande quittiert! Gehe Sie!«

Die Mama machte einen noch tieferen Knicks als vorher, ging aber nicht, sondern sagte mit siegesgewissem Grinsen:

»Meine Tochter hat ein großes Vermögen nach Preußen gebracht! In die Hunderttausende geht es! Wollen Eure Majestät verantworten, die schöne Summe Geldes außer Landes gehen zu lassen?«

»Wir wollen von dem Schürzengeld Ihrer Tochter nichts wissen!« rief Friedrich noch heftiger. »Gehe Sie sofort!«

Aber die Alte ging nicht. Die Gelegenheit, den König persönlich zu attackieren, kam nie wieder, und sie hatte noch einen Pfeil im Köcher.

»So wollen Eure Majestät auch nichts von Allerhöchst Dero eigenen Briefen an meine Tochter wissen?! Wenn man sie draußen in der Welt zu lesen bekommt und von dem strengen Gericht über sie wegen ihrer Liebe zu einem anderen hört, so wird man sich schon den Vers darauf machen! Sie sind — in sicherem Gewahrsam!«