Friedrich blickte sie, wutentbrannt über solche Keckheit, an. Dann winkte er Fredersdorff.
»Man schaffe uns das Frauenzimmer aus den Augen«, rief er. »Wir haben hier kein Konventikelhaus für alte Weiber gebauet! Das sage Er mir dem Hofgärtner! Und daß er auf Wasser und Brot nach Spandau kommt, wenn er uns noch von denen losen Schürzen in die Gärten läßt!«
Worauf er ihr den Rücken drehte und wieder nach dem Schloß zurückging. Die Treppen der Terrassen waren aber viele und wurden trotz seiner Wut nicht weniger. Als er sie hinaufgestiegen war, war der Zorn verraucht. Und als er in sein Arbeitszimmer eintrat, lachte er über die Szene.
»Wir haben an Wichtigeres zu denken!« sagte er schließlich. »Mag die Dirne laufen! Sie soll ihren Willen haben! Viel Freude wird sie in der Ehe mit jenem Brausekopf nicht haben! Das mag ihr zur Strafe gereichen! Sie hat's selbst so gewollt!«
Er klingelte, ließ den Privatsekretär kommen, übergab ihm den Brief Barberinas und diktierte ihm einige Zeilen an den Generalfiskal, worin er »resolvierte« und ihm befahl, nicht weiter »wider gedachte Barberina zu agieren«, sondern die Sache »gäntzlich fallen zu lassen«!
Dagegen sollte der Fiskal herauszubringen suchen, wer der Geistliche gewesen war, der sich unterstanden hatte, die Liebenden zu kopulieren! Das wurde jetzt die Hauptsache.
Dem Pfaffen wollte Friedrich »recht scharf zu Halse gehen und à la rigeur« sein Verbrechen untersuchen! Denn er sei »intentionieret, denen Geistlichen nachdrücklich zu deklarieren«, daß sie, wenn sie sich unterfingen, »ohne vorherige Approbation« Leute heimlich zu kopulieren, »auf Lebenszeit nach einer Festung gebracht und bei Wasser und Brot gehalten werden sollten«!
»Den Brief an den Generalfiskal überbringst du ihm persönlich und sagst ihm noch mündlich von uns: Er möge sehen, unsere Briefe an jene Person in seine Hände zu bekommen und ihr bedeuten, das sei die Bedingung, gegen die wir uns dahin resolvieret haben, Gnade vor Recht gehen zu lassen!«
Der Sekretär ging, um die Briefe auszufertigen. Der Kammerdiener trat ein und meldete, daß der Großkanzler von Cocceji draußen warte und dringend um Audienz bitten lasse.
»Laß ihn vor!« sagte Friedrich, der darauf gefaßt war, auch seine Suppliken in jener heiklen Angelegenheit anhören zu müssen.