»Es wäre besser schon vor zehn Jahren vorbei gewesen!«

»Meinst du?« »Mit Erlaubnis, ja! Madame haben viel Geduld gezeigt. Viel zuviel für ein kurzes Menschenleben. Was nützt Madame jetzt noch die Freiheit?«

»Was hätte sein können, interessiert uns nicht. Was sein wird, ist wichtiger. Nun haben wir die Scheidung und sind eines unerträglichen Zustandes ledig!«

»Es ist aber nicht, was es hätte sein können«, sagte der Haushofmeister eigensinnig. »Vor Jahren, als der Präsident, Dero Gemahl, anfing, Madame offen seine Mißachtung zu zeigen und seine Mätresse in die Gesellschaft einführte und bevorzugte, da hätten Madame die Scheidung selbst beantragen müssen, statt abzuwarten, bis er es tat, um jene Dame ehelichen zu können. Dann hätte es wenigstens den Anschein gehabt, als wünsche Madame das Leben noch zu genießen — und nicht, wie jetzt, als sei Madame verstoßen!«

»Du bist dreist!« sagte die Baronin und stand auf. »Kümmere dich um das, was deines Amtes ist! Wir werden viel Gäste haben. Der ganze Adel wird sich jetzt wohl bei mir sehen lassen!«

»Ich fürchte, die werden ihre Glückwünsche lieber in Glogau bei der neuen Frau Präsidentin des gleichen Namens vorbringen! Madame werden nicht zu viele Gratulanten empfangen! Eine verstoßene Ehefrau ist den Leuten keiner Beachtung wert!«

Sie blickte ihn scharf an.

»Sie werden wohl nicht — wie du — übersehen, daß er der schuldige Teil war!«

»Sie werden Madame zum mindesten für mitschuldig halten. Und auch denken, daß Madame sich reichlich lange Zeit zur Überlegung gegönnt hätten, um Dero Einwilligung zur Scheidung zu geben!«

»Man verzichtet nicht vorschnell auf Rang und Einfluß — das werden sie alle wissen. Als Präsidentin von Cocceji war ich die erste Dame der Provinz — der ganze steifnackige Adel hatte sich mir zu beugen.«