Der Haushofmeister seufzte. — »Die erste Dame der Provinz! Wenn ich das höre und bedenke, daß Madame die erste Dame des Königreichs hätten sein können — wenn —«

»Wenn?« wiederholte sie und nahm dabei eine Haltung an, die jeden anderen als Fossano sofort zum Schweigen gebracht hätte.

»Wenn Madame selbst gewollt hätten«, sagte er, ohne sich im geringsten einschüchtern zu lassen. »Wenn Madame geruht hätten, sich im entscheidenden Augenblicke etwas weniger gehen zu lassen!«

»Wer, wie du, in jenem entscheidenden Moment mitgeholfen hat, mich um die Besinnung zu bringen, sollte mir nicht auch noch das sagen! Du bist aber ein boshafter Mensch, voll Schadenfreude und Scheelsucht! Du bist ein Undankbarer! Du vergißt, daß ich dich aus dem Elend herausgezogen habe, in dem du versunken warst! Du schätzt es zu gering ein, daß ich dir zu einem ruhigen Alter verholfen habe!«

»Soll ich Madame so verstehen, daß ich mich durch meine Worte um meinen Posten in Dero Dienst gebracht hätte?« fragte der Alte, und es leuchtete unheimlich in seinen Augen auf.

»Das könnte so kommen, wenn du dich nicht in acht nimmst«, sagte sie hart und setzte sich an ihren Sekretär. »Geh jetzt und sorge dafür, daß alles bereit ist, wenn die Gäste kommen!«

»Zu Befehl!«

Der Haushofmeister stellte die Vase mit den Blumen vor ihr auf den Schreibtisch. Er blickte seine Gebieterin furchtlos an und nahm noch einmal das Wort:

»Auch auf die Gefahr hin, fortgejagt zu werden, werde ich meine Pflicht tun und Madame meine Meinung sagen, wenn es not tut!« Und hiermit machte er kehrt, ohne die Wirkung seiner Worte abzuwarten. Gerade und steifbeinig stelzte er hinaus. Sie blickte ihm erstaunt nach.

Seitdem sie ihn in Dienst genommen hatte, war dies das erstemal, daß er sich etwas gegen sie herausnahm. Stets aufmerksam, zuvorkommend, wortkarg und pflichtbewußt durch die ganzen Jahre, dankbar für die ihm erwiesenen Wohltaten, hatte er sich streng innerhalb der Grenzen seines Amtes gehalten. Und heute kehrte er wieder den Lehrmeister heraus und sah sie mit jenem überlegenen spöttischen Blick an, der sie früher immer in Harnisch gebracht hatte. Und in seiner Stimme zitterte wieder jener verächtlich überlegene Ton des Meisters, der sich herabließ, seiner Schülerin eine Lektion zu geben!